Fragt sich der Ottonormalstudent, mit dem Ziel einen Hochschulabschluss zu erlangen, wenn er/sie die neue Lieblingskampagne der Spiegelonline-Redaktion in diesen Tagen verfolgt. Da lernt man nämlich, dass ein abgebrochenes Studium kein Beinbruch sein muss, ja sogar förderlich für den weiteren Berufsweg ist (oder doch nur: sein kann?!).

Die sog. „Abiturienten mit Hochschulerfahrung“ sind es nämlich, die in besonderen Programmen von Bund und Wirtschaft angesprochen und gefördert werden.

Keine Frage – für Studienabbrecher braucht es besondere Förderungsmöglichkeiten und perspektivgebende Instanzen.

Allerdings kann ich die naive und rosa-getünchte Alles-wird-gut-Schönfärberei der Kampagne nicht verstehen. Denn sie macht den wirklich mit der Entscheidung des Abbruchs hadernden Studis meiner Meinung nach mehr Illusionen, als gerechtfertigt sind. Ich will nicht gleich von falschen Versprechen reden, aber ihr wisst, was ich meine. Schon der Normalstudi mit gutem bis durchschnittlichem Abschluss und ein paar Nebenjobs, Praktika oder ehrenamtlichen Tätigkeiten im Lebenslauf bekommt die Jobs nicht massenhaft angetragen (so soll es ja auch nicht sein! – und ja, das ist eine versteckte Hyperbel ;) ).

Die Lage für Studienabbrecher kann sich daher aus meiner Sicht nur schwieriger gestalten – vom Einzelfall mal abgesehen. Sicher ist eine Korrektur der Entscheidung um den Ausbildungsweg keine Katastrophe. Aber wenn ich die Artikel lese, dann will ich auch Studienabbrecher sein – dem in andere Richtungen tendierenden Schluss des Artikels zum Trotz.

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