Am Freitag war ich zu einem kurzfristig am Donnerstag angesetzten Bewerbungsgespräch eingeladen. Um die Anonymität zu wahren: Es ging um eine Stelle als studentische Hilfskraft an einem Institut meiner Alma mater. Eigentlich hätte ich Anfang der Woche eine E-Mail bekommen sollen—die kam aber leider nicht an, weshalb ich nicht zum eigentlichen Termin am Donnerstag gehen konnte, da ich ja nichts davon wusste.
Nach der telefonischen Rückfrage des Institutes und Entschuldigungen meinerseits wurde ein neuer Termin für Freitag ausgemacht. Ich am Freitag Morgen dahin gegangen und siehe da: Nein, das kommt alles nicht in Frage, ich sei ja nicht lange genug da, um eingearbeitet zu werden. Denn wenn ich nur zwei Semester bleiben könne, dann ginge ich ja schon wieder, bevor ich überhaupt richtig eingearbeitet sei.
Nicht, dass ich diese Ablehnungsbegründung nicht verstehe, nein ganz im Gegenteil. Eine intensive und für den Arbeitgeber aufwändige Einarbeitungszeit hat ja nur dann Sinn, wenn alle Seiten hinterher auch entsprechend lange davon profitieren können. Hab ich vollstes Verständnis für.
Nun ist die Ruhr-Uni aber für jene Pionierleistungen bekannt, die mit der frühzeitigen Umstellung auf das neue Studienmodell zu tun haben. Folge: Statt neun bzw. zehn Semester auf Magister oder Diplom zu studieren, beginnt man in den meisten Studiengängen mit dem Bachelor, der auf sechs Semester Regelstudienzeit angelegt ist. Die schöne neue Studienwelt nach Bologna gibt dem Studenten von heute nach diesen sechs Semestern die Freiheit, recht einfach unbürokratisch die Uni zu wechseln, sich ins Berufsleben oder Ausland(sstudium) zu trauen oder sich eben nach einer verwandten oder ganz neuen Fachrichtung umzusehen.
Sechs Semester Regelstudienzeit bis zur Neuorientierung heißt aber auch: Wenn es überhaupt ein sog. Grundstudium gibt, ist dies nach zwei Semestern abgeschlossen. Eine kürzere Regelstudienzeit ist die Folge, wenn es nach den Bildungsplanern geht.
Die praktischen Konsequenzen, die dieses Modell mit sich bringt, scheinen den Verantwortlichen in Personalfragen noch nicht so recht klar zu sein. Wenn man also bspw. so wie ich, besonders fix (nämlich 2 Semester eher, als zu erwarten war) oder auch nur in Regelstudienzeit (= 6 Semester—was anstrengend genug ist—) fertig wird und dann die Chance wahrnehmen will, sich fachlich an einer anderen Stelle weiterzuentwickeln, dann hat man keine Chance auf einen HiWi-Job. Die Tücke liegt wie immer im Detail: Für studentische Hilfskraftstellen werden (fast immer) Leute mit abgeschlossenem 4. Semester gesucht, oder zumindest Leute, die sich im 4. Semester befinden gleichzeitig sollen diese Leute möglichst zwei Jahre bleiben—oder länger. Wird man in Regelzeit fertig und will hinterher an eine andere Uni, war es das mit dem HiWi-Job, denn für den stünde man in diesem Fall ja nur max. zwei Semester bereit.
Jetzt habe ich wirklich Verständnis für alle Seiten: Für die, die nicht alle sechs Monate jemanden neu einarbeiten wollen, aber auch für jene, die gerne als HiWi arbeiten würden, es aber nicht dürfen/können, weil die Zeit ihr Gegner ist. (Denn, nur um das zu betonen, natürlich darf die Regelstudienzeit nicht durch/für eine HiWi-Stelle überschritten werden!)
Ich wurde jetzt einmal abgelehnt, weil ich erst im 3. Semester war, als ich mich bewarb, und ein weiteres mal, weil ich nicht lange genug bleiben konnte. Ohne jemandem persönlich zu nahe treten zu wollen, bin ich doch mal wieder von so viel Lebensferne enttäuscht. Da helfen mir dann auch die Versicherungen, es läge nur an der Zeit, und das aufrichtig entgegen gebrachte Mitgefühl* nicht weiter. Denn dort, wo ich 20 Stunden pro Woche ehrenamtlich an der Uni arbeite, hat es noch niemanden interessiert, wie lange ich bleibe oder ob ich nach dem 4. Semester ein plötzlich anderer Mensch und bestimmten Aufgaben gewachsen bin.
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*„Ja, es ist schwierig.“—Nein, liebe Verantwortlichen, es ist unmöglich, so als einigermaßen mobiler Student an eine Stelle zu kommen!
1. Amys Welt » Bewerbungsgespräch & Jobangebot
29/08/2006 02:53 pm[…] Es gibt gute Nachrichten von der Amy-sucht-einen-adäquaten-nicht‑ ausbeuterischen-Job-Front: Heute hab ich einen Job angeboten bekommen, den ich morgen zusagen werde. Es handelt sich um Dateneingabetätigkeiten, die ich zeitlich flexibel Montag bis Samstag machen kann. Ich freu mich riesig und bin super gespannt. Wenn alles klappt, dann gehe ich am Samstag das erste mal richtig Geld verdienen. Ich bin total aufgeregt! Dann war ich heute Abend noch bei einem Bewerbungsgespräch für eine HiWi-Stelle. Es lief deutlich entspannter und freundlicher ab als am Freitag. Auch hier wurde als erstes nach meiner möglichen Bleibedauer gefragt. Sollte es aber daran scheitern, ist es nicht so schlimm. Das Gespräch an sich war sehr angenehm, sodass ich vom Schock der letzten Woche kuriert bin. Cat: […]
2. Unikram, Paper, Recherchen & Software » Immatrikulieren ist nicht schwer, zügig Studieren dagegen sehr …
02/09/2006 11:57 pm[…] Aber nun zum Ernst des Lebens. In einigen Beiträgen habe ich bereits berichtet, dass es nicht ganz einfach ist, in den Zeiten des Umbruchs nach Bologna zu studieren. Nicht nur der Spiegel gibt mir ausnahmsweise Recht: In dem Artikel* von Marc Widmann und Jochen Leffers geht es ja eigentlich um die Jurastudenten in Hamburg, denen jetzt wegen absoluter Überlastung des zuständigen Justizprüfungsamts Studiengebühren drohen, während sie damit beschäftigt sind, auf ihre Examensergebnisse zu warten. […]
3. Amys Welt » Blog Archive » Uni Wahn oder: Neues aus dem deutschen Hochschulsystem
12/08/2008 02:24 am[…] Bewerbungsgespräch und der Kampf mit Bologna im studentischen Alltag […]
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12/08/2008 07:43 pm[…] scheitern, ist es nicht so schlimm. Das Gespräch an sich war sehr angenehm, sodass ich vom Schock der letzten Woche kuriert […]