Gestern lud die Bochumer Innenstadt zum Kino-Dienstag und nach der letzten Fehlentscheidung sensibilisiert, begab ich mich ins Union Kino, dem einzigen Kino in Reichweite, in dem Match Point im Moment zu bestaunen ist. Diesmal war ich vorbereitet. Kritiken hatte ich genug konsumiert, Woody Allen spricht für sich, das Filmplakat auch. Scarlett Johansson—zum Niederknien. Ich war also wohl präpariert auf die Dinge, die da kommen mochten. Dachte ich zumindest.

So saß ich also in diesem hinreißenden Film mit Überlänge. Alles war bezaubernd: Hinreißende Darsteller in einer romantischen Komödie, situiert im hinreißend lebendigen London, hinreißende Dialoge sprechend. Reiche, kultivierte (Gut‑) Menschen gehen in die Oper, sprechen über Dostojewski, man hört Oper. Die ganze Zeit.

Man denkt der Film ist jetzt irgendwann aus. Aber er hat ja Überlänge und so sitzt man im bequemen Kinosessel ohne zu merken, dass man abrutscht. Fließend sind die Übergänge und wähnte man sich eben noch in einer zartbittersüßen Komödie—leicht klischeebehaftet, leicht tragisch, leicht bekannt—so schreckt man plötzlich aus der kandierten britischen Upperclass auf und findet sich im dramatischen Thriller wieder. Hatte ich nicht mit gerechnet, zugegeben. Im Nachhinein ein bisschen des antiken Dramendreigestirns, ein bisschen Aristoteles, ein bisschen Shakespeare, sehr Dürrenmatt das alles. Und so schööön irgendwie.

Aber so ist es—Gott sei Dank!—mit guten Filmen im Allgemeinen und mit Woody Allen im Besonderen: Du denkst, du kommst davon und dann packt Dich der Film. Oder in diesem Fall: Die Wahrheit über die gierige menschliche Natur? An ganz anderer Stelle. Einfach so.

Dass es am Ende noch humoristisch wird (für einige der Figuren—nicht unbedingt das Publikum—), macht diesen sonnigen Film noch ein wenig dunkler, als er nach Erkenntnis des Ausgangs sowieso schon ist. Beeindruckend und großartig gespielt.

Er kommt unglaublich leicht, wunderbar und reizvoll verpackt daher und liegt hinterher schwer im Magen. Ein Petit Four.

Achtung, es folgen Hinweise auf das Filmende—wer sich im Kino selbst überraschen lassen möchte, sollte die Lektüre hier abbrechen und/oder auf später verschieben. ;)

Einige haben sich intensiver, objektiver oder einfach anders dem Thema genähert. Hier einige schöne Kommentare, für Leute, die den Film schon kennen oder sich noch nicht bestärkt genug fühlen, ins Kino zu gehen:

Heiko Bielinski schreibt im jauchetaucher begeistert über Match Point. Ich kann seinem Urteil zum Ende zwar nicht ganz zustimmen (meiner Meinung ist es eher vergleichbar mit American Psycho—dem Buch nicht dem Film—, ein bisschen natürlich auch Dostojewski.); nichts desto trotz gehört „The usual Suspects“ (zusammen mit Fight Club, Traffic, Primal Fear & Co.) zu den ganz erlesenen Filmen. ;)

Jan Rotthaus berichtet nicht nur kurz über Match Point sondern hat auch Bekanntschaft mit meinem letzten unglücklichen Kinoerlebnis gemacht. Kino​-Zeit​.de gibt auch einen positiven Kommentar. Anke Groener nimmt sich den Film besonders unter die Lupe und kommt zum Schluss:

Es gibt nur das Glück, das wir uns nicht erarbeiten können, so sehr wir es auch versuchen. Entweder es lächelt uns zu oder es zerstört uns. Was es tut, liegt nicht in unserer Macht.

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