Weil die Textverarbeitung an und für sich schon ein sehr schwieriges Thema ist und sich in diesem Bereich Quasi-Standarts etabliert haben, die zwar massen‑ aber nicht unbedingt drucktauglich und zuverlässig sind, traue ich mich schon kaum noch, das Thema zu diskutieren. Nicht etwa, weil mir die Argumente fehlen, nein. Aber das scheint ein sehr sensibles Thema zu sein und wann immer man vernünftige Diskussionen darüber führen möchte, dann verhärten schnell die Fronten und jeder weiß, dass sowieso nur er recht hat – für vernünftige Argumente will dann auch niemand mehr zugänglich sein.
Ja, ich habe da auch ein kleines Impulskontrollproblem und es fällt mir schwer, meine durchaus inhaltsstarken Argumente im richtigen Moment hervorzuholen – von überzeugen wollen wir noch gar nicht sprechen.
Trotz meiner scheinbar nicht besonders ausgeprägen Grass-Root Talente bin ich doch an mehreren Fronten unterwegs, um das Wort für offene Standards & Co. zu verbreiten.
Seit nun auf Arbeit (ich bin dort u. a. für Computerhilfe, –notfälle jeder Art und neue Vorschläge zur EDV-Optimierung angestellt) ein neues Redaktionssystem namens FuXML eingeführt wird, kann ich mich der Bewegung nicht mehr entziehen: XML ist die Zukunft der Textverarbeitung, –aufbereitung und (elektronischen) Übertragung und Bereitstellung von Informationen.
Das System dieser Auszeichnungssprache funktioniert vom Prinzip her ähnlich wie LaTeX, allerdings ist es flexibler einsetzbar, da getreu dem Motto „Aus eins mach‘ viele –“ aus einem XML-Dokument beliebig viele Varianten des Dokumentes erstellt bzw. generiert werden können: Eine Druckversion, eine Version für die Browserdarstellung mit zusätzlichen Inhalten & Verweisen, eine optimierte Darstellung für Handys, PDAs usw. ist auch ohne Weiteres möglich. Das spart natürlich – besonders in der Fernuni – sehr viel Zeit, weil im Moment bzw. bis vor kurzem Druckversionen und Netzversionen derselben Inhalte nicht nur extra per Hand erstellt, sondern auch auf unterschiedlichen Servern gepflegt werden müssen.
Die endgültige Überzeugung erreichte dann heute morgen die Lektüre eines Artikels von Hendrik Bunke zum Thema „Schreibt strukturiert! XML und Docbook in Sozial‑ und Geisteswissenschaften„, indem er die Vorzüge von XML auch für Geisteswissenschaftler erläutert und gleich Tipps und Hinweise zu Programmen und Informationsmöglichkeiten & XML-kompatibler Literaturverwaltung mitliefert. (JabRef nutze ich ja auch schon für die BibTeX-Dateien, es beherrscht u. a. auch XML-Export.)
Sobald also etwas Zeit und Luft ist, evt. auf Arbeit auch schon in den nächsten Tagen, werde ich mich näher mit DocBook, XML & Co. befassen. Ich glaube nicht, dass es mein geliebtes LaTeX im Druckalltag ablösen wird. Allerdings scheint es mir eine sehr interessante Ergänzung zu HTML u. ä. im Bereich des Webdesigns zu sein. Wirklich ausspielen kann XML seine Vorteile wenn es um gemeinsame Dokumentenerstellung, –bearbeitung und Dokumentenaustausch geht. Durch das OpenDocument-Format hält es zumindest in zahlreiche OpenSource‑Textverarbeitungen im WYSIWYG-Stil Einzug. (Z. B. in OpenOffice.) Klar, das ist keine Alternative für das per-Hand-Coden, aber zumindest liegen den Dokumenten dann offene Standarts zugrunde, die den Austausch nicht unnötig erschweren.
Das Werkzeug meiner Wahl habe ich schon vor einigen Wochen via yauh.de gefunden: Ich werde es wohl mal mit Butterfly als Editor versuchen, sobald die Not äh – die Arbeit mich zur buchstäblichen Auseinandersetzung mit XML zwingt. Ein weiterer Vorteil von XML scheint mir in der relativ einfachen Konvertierung in RTF, LaTeX, HTML-Files & Co. zu liegen – wer sich mal näher mit LaTeX2rtf oder LaTeX2html auseinandergesetzt hat, weiß, dass praktikablere Lösungen an der Stelle nicht schlecht wären.
Weiterer Pluspunkt: Alle Programme sind frei zugänglich und die offenen Standarts gewährleisten auch weiterhin freie Software in diesem Bereich.
Mal sehen, inwieweit ich ein bisschen in XML hineinschnuppern kann. – Ich werde an dieser Stelle berichten.
Informationsressourcen (unvollständige Auswahl):
- Henning Behme & Stefan Mintert: XML in der Praxis
- DocBook.org
- tBook – system for XML Authoring
- Wikipedia: Fuxml
- DocBook tiny – XML mit nur fünf Elementen
- DocBook Roundtripping
- Selignow Verlagsservice: gute aufbereitete Informationsmaterialien zu XML im akademischen Bereich und zum Einsatz bei Publikationsvorhaben
- DocBook mit OpenOffice nutzen
- Einführung in DocBook
- DocBook: The Definitive Guide
- Linux-Magazin: DocBook – Druck‑ und Web-Format zugleich
- Frank Beier: Transforming Documents using Stylesheets
- Johann-Christian Hanke: XML für Einsteiger
1. Anna-Maria
09/03/2006 10:59 amNachtrag: Ein büroweites Umstellen auf XML scheint nicht gewünscht zu sein: Nutzungshäufigkeit und Schulungsaufwand stünden wohl nicht im richtigen Verhältnis zueinander.
Die Akzeptanz dafür ist auch nicht besonders hoch, obwohl die Uni einen kommerziellen XML-Editor so mit Makros, Helferlein und Buttons ausgestattet hat, dass es sich kaum von der Word-Oberfläche unterscheidet. Die Webversion des Studienmaterials wird nun wahrscheinlich als einfaches pdf serviert – Zusatzmaterialien sollen auf unserer neuen E-Learning-Plattform Moodle zugänglich gemacht werden.