War man in der Oktober-Ausgabe des RUBENS (= Zeitschrift der Ruhr-Uni) 2005 noch so stolz auf das 40jährige Bestehen einer Pressestelle bzw. eines Pressesprechers allein für die Uni (die im letzten Jahr ebenfalls 40 Jahre alt wurde), so erkennt man nur als Uni-Angehöriger bzw. Student, was PR & Marketing wirklich bedeuten können.

Nicht nur, dass man als ahnungsloser Bologna-naiver Ersti (war ich ja auch vor 2.5 Jahren mal ;) ) auf keiner der schönen Internetseiten darauf hingewiesen wird, dass für das Fach Sozialpsychologie/-anthropologie immer noch keine Akkreditierung vorliegt (und wohl auch nicht mehr kommt, da das Fach eingestellt wird), so werden durch euphemistische Pressemitteilungen auch noch tiefergehend falsche Vorstellungen vom (BA‑) Studium an meiner Alma mater geschürt.

Unter der Überschrift „RUB gewinnt Wettbewerb „Schlüsselqualifikationen plus“ Vorbildlich in Bochum: Schlüsselqualifikationen campusweit“ wird u. a. verkündet:

[…]

Mit einer überzeugenden Präsentation konnte das Bochumer Konzept bei der Wettbewerbsjury vor allem durch seine „funktionierende Organisationsform“ punkten.

Ein erfolgreiches Modell

Verankert ist die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen in Bochum vor allem im „Optionalbereich“: Studierende eignen sich hier außerfachliche Kompetenzen an, zum Beispiel in den Bereichen Fremdsprachen, Informationstechniken, Präsentation/Moderation/Argumentation und in Praktika. Ursprünglich für das 2-Fach-Bachelor‑ und Masterprogramm konzipiert, ist das Modell inzwischen so erfolgreich, dass auch Fächer, die 1-Fach-Bachelor‑ und –Master-Studiengänge anbieten, dieses strukturierte Angebot in ihre Studiengänge integrieren.: […]

Jeder, der sich ernsthaft informieren will, muss sich bei solchen Meldungen denken: Alles in Butter, das ist ja ein super Angebot.

Allerdings ist in dieser Meldung an keiner Stelle erwähnt, dass die Studierenden der BA-Studiengänge verpflichtet sind, im Optionalbereich Veranstaltungen im Umfang eines halben Hauptfaches zu besuchen. Das die Leistungsanforderungen im Optionalbereich häufig in etwa den doppelten Anforderungen eines Hauptseminars in einem der Studienfächer entsprechen ist genauso wenig vermerkt, wie die katastrophale Organisation der Veranstaltungsplatzvergabe. Ich habe noch Zeiten miterlebt, in denen ich mich zu Beginn des Semesters zur Optionalbereichsanmeldung gegen 4 Uhr früh in die Uni begeben musste, um mich um 9 oder 10 Uhr in eine der hoffnungslos überfüllten Wartelisten einzutragen. Mittlerweile setzen sich nach und nach Online-Anmeldeverfahren und ein organisierteres Abarbeiten der Anmeldewünsche durch. Schlimm ist es vor allem für die Leute, die aufgrund von Prüfungs‑ oder Studienordnungen Sprachnachweise machen müssen. Man hört immer wieder von Studis, die nicht rechtzeitig fertig werden, weil sie zweimal hintereinander nicht das Los-Glück hatten, im richtigen Sprachkurs zu landen.

In solchen Fällen wird—trotz der nicht selbstverschuldeten Organisationsmängel—vom BAföG-Amt nach Ablauf der Förderungshöchstdauer nicht weiter gefördert. Oft scheitert an einem Sprachnachweis bzw. am Optionalbereich das Einhalten der Regelstudienzeit.

Fazit: Wer ehrliche Berichterstattung wünscht, sollte sich nicht auf geschönte Pressemeldungen verlassen. Das die Uni ihre eigenen, mutigen Reformleistungen ins beste Licht rücken will, ist verständlich. Allerdings sollten im Sinne einer Verantwortungsübernahme für potentielle Neu-Studenten „Baustellen“ im Lehrbetrieb, wie sie zweifelsohne noch vorhanden sind, nicht verschwiegen, sondern mit Aufmerksamkeit beobachtet und angegangen werden. Hier könnte die Uni Verantwortungsbewusstsein für ihre Studierenden, eine positive Einstellung zum Servicegedanken und ein gesundes Maß an Selbstkritik beweisen. Das würde weder die Anstrengungen für solche Projekte, noch den Wert solcher Auszeichnungen schmälern—ganz im Gegenteil. Meine Meinung.

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“– für die Bildung tun sie nix!”…

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[…] Als ich mir über die Marketing-Methoden meiner Alma mater hier Luft gemacht habe, konnte ich ja nicht wissen, dass Andreas gleich anknüpft. Weil der Kommentar dann doch etwas länger geworden ist, hier ein Beitrag samt Trackback. […]

„Es wird immer Platz für den Recherche-Journalismus bleiben.

Es reicht z.B. nicht aus, zu sagen:

„Benedikt (Gottgeschickt), Katholischer Priester und Fan von Papst Benedikt (Gottgeschenk),

hat seinen Sohn Mathieu (Gottgeschenk), per eidestattlicher Versicherung, aberkannt.“

In Montabaur gibt es ein Amtsgericht, dass Söhne unter dem Kruzifix vaterlos niederschreibt.

Warum kann keiner erklären.“

[…] Meine bisherige Alma mater ist ja wie schon besprochen PR-erfahren und bezüglich der Außendarstellung souverän unterwegs. Was dabei immer gerne vergessen wird: Der Blick von oder nach innen. Aus dem normalen Unibetrieb heraus, aus der Perspektive der Studis sehen die Fortschritte zur Realisierung der Bologna-Beschlüsse freilich ein wenig anders aus. […]

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[…] Der „kleine“ Unterschied zwischen Journalismus & PR […]

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