Als ich mir über die Marketing-Methoden mei­ner Alma mater hier Luft gemacht habe, konnte ich ja nicht wis­sen, dass Andreas gleich anknüpft. ;) Weil der Kom­men­tar dann doch etwas län­ger gewor­den ist, hier ein Bei­trag samt Track­back. :)

Da Stu­di­en­ge­büh­ren längst Rea­li­tät an vie­len Unis sind, ist die Läh­mung und Ohn­macht viel­fach so groß, dass es nicht zu Pro­tes­ten kommt. Sicher eine Seite der Medaille.

Ande­rer­seits kann man (ich) nicht ver­schwei­gen: Viele wären bereit, im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten durch Stu­di­en­ge­büh­ren bei­zu­tra­gen. Ich möchte hier nicht für eine Majo­ri­tät spre­chen, aber die Qua­li­tät der Ver­an­stal­tun­gen, der Lehre im All­ge­mei­nen und der Aus­stat­tung an man­chen Insti­tu­ten wür­den mei­nes Wis­sens nach einige Stu­dis unterstützen.

Stu­di­en­ge­büh­ren die sich im Rah­men hal­ten (also deut­lich unter den ver­an­schlag­ten 500 Euro lie­gen und eher in Höhe der Semes­ter­bei­träge anzu­sie­deln sind), direkt in die Unis investiert—davon wür­den die Stu­dis pro­fi­tie­ren. Die Angst ist groß, dass eben genau das nicht geschieht, son­dern Haus­halts­lö­cher anderswo gestopft wer­den, wäh­rend Stu­dis und Unis der ver­meint­li­che „Geld­se­gen“ zum Vor­wurf gemacht wird und staat­li­che Mit­tel wei­ter gestri­chen wer­den. Zusätz­lich wird man durch den Bologna-Prozess zu wei­te­ren Zuge­ständ­nis­sen an die Qua­li­tät der Lehre genö­tigt: Kür­zere Stu­di­en­zei­ten, mehr Ver­an­stal­tun­gen, mehr Pflichtleistungen.

Dass der Feh­ler­teu­fel im Sys­tem & Detail steckt, ist wohl für alle offensichtlich—nur getan wird, wie gesagt, wenig. Wäh­rend die Unis lang­sam aber sicher von ihrem Recht Gebrauch machen, Stu­di­en­be­wer­ber mit­tels (Massen‑) Test­ver­fah­ren aus­zu­sor­tie­ren, ist Frau Scha­van sich sicher, mehr Per­so­nal würde das Niveau der Unis sen­ken.

Noch eine Bemer­kung zu Frau Mer­kels Sicht der Dinge: Frau Mer­kel durfte zu einer Zeit in einer Gesell­schaft stu­die­ren, die mit den heu­ti­gen Ver­hält­nis­sen über­haupt nicht ver­gleich­bar sind: Keine Frage, für nie­man­den ist die DDR zurückzuwünschen.

Aller­dings: Das Bil­dungs­sys­tem hat für die Leute, die stu­die­ren durf­ten, funk­tio­niert. Frau Mer­kel wird sich nie Gedan­ken um sich über­schnei­dende Pflicht­ver­an­stal­tun­gen gemacht haben müs­sen, ein­fach weil ihr Stu­dium von Anfang bis Ende durch­struk­tu­riert und orga­ni­siert war. Ⅾ. h. sie hat sich—bitte berich­ti­gen wenn ich da falsch liege—hauptsächlich auf ihr Fach­stu­dium kon­zen­trie­ren kön­nen. Die Bedin­gun­gen unter denen damals stu­diert wurde, waren auf Regel­stu­di­en­zei­ten aus­ge­legt. Es gab Son­der­stu­di­en­pläne für Stu­den­tin­nen, die wäh­rend des Stu­di­ums eine Fami­lie gegrün­det haben. Die Stu­den­ten brauch­ten sich nicht pau­sen­los Gedan­ken um die Zeit nach dem Stu­dium machen und dar­über, wie sie ihren (Arbeits‑) Markt­wert stei­gern. Plan­wirt­schaft hin oder her, wie gesagt: Frü­her war nicht alles besser.

Stu­die­rende heute bewei­sen ⅿ. E. mit dem erreich­ten Abschluss im Neben­ein­an­der von Büro­kra­tie, Orga­ni­sa­tion, Finan­zie­rung durch Neben­jobs und fach­li­cher Wei­ter­ent­wick­lung vor allem Durch­hal­te­ver­mö­gen, Hart­nä­ckig­keit und Multitasking-Fähigkeiten, wäh­rend ihnen Poli­ti­ker die Welt erklä­ren und immer wei­tere Leis­tun­gen abver­lan­gen, von denen nie­mand so genau weiß, ob sie sich am Arbeits­markt für den ein­zel­nen aus­zah­len. Die wenigsten—so hoffe ich zumindest—studieren allein aus der Moti­va­tion her­aus, hin­ter­her „viel Geld zu machen“. Dass es aber zum Leben rei­chen und sich das ggf.—unter Ein­hal­tung der Regelstudienzeit—achtjährige Län­ger­ver­blei­ben im Bil­dungs­sys­tem, ohne dabei ein wesent­li­ches Ein­kom­men zu erzie­len, am Ende irgend­wie aus­zah­len muss, das sollte selbst­ver­ständ­lich sein.

Dies gehört näm­lich zu jenen Anrei­zen, die die viel­ge­prie­se­nen Eli­ten för­dern. Jetzt auch noch zu die­sem Poli­ti­kum Stel­lung zu bezie­hen, über­lasse ich anderen.

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Also wenn ich mir sowas ansehe (Chat­pro­to­koll vom Januar 2005), wo ganz offen zuge­ge­ben wird, dass man in der Regel­stu­di­en­zeit nicht fer­tig wer­den kann und dass es keine ver­ab­schie­dete Stu­di­en­ord­nung für das Fach Sozi­al­psy­cho­lo­gie gab (ganz zu schwei­gen von der Akkre­di­tie­rung), dann läuft an die­ser Fakul­tät und auch an die­ser Uni so eini­ges schief. Gott­sei­dank haben das andere Fächer an der RUB bes­ser im Griff gehabt, sonst würde ich immer noch studieren.

Ja—ich muss zuge­ben, mein Stu­dium gestal­tete sich etwas stres­si­ger, weil ich a) ein Pro­blem mit Lan­ge­weile habe und b) in 5 (SoPsy) und 4 (Kom­pa­ra­tis­tik nach Fach­wech­sel) Semes­tern fer­tig wer­den musste und auch wollte. Aus mei­ner Sicht: Ja, wenn Du Dich nur und aus­schließ­lich ums Stu­dium küm­merst, keine zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen pflegst, kei­nen Neben­job brauchst, um Dich zu finan­zie­ren, Du ein Genie bist, und wenig Schlaf brauchst. In den sel­tes­ten Fäl­len kom­men diese Kri­te­rien zusammen—Gott sei Dank!

Natürlich—und das finde ich das Schlimmste—genügt es nicht, im ers­ten Semes­ter sein gan­zes Stu­dium kom­plett geplant zu haben. Was bei den wenigs­tens der Fall ist, ist mir unter Inkauf­nahme von Kol­la­te­ral­schä­den zwar gelungen—aber dazu muss man sich natür­lich auf die Vor­aus­pla­nungne der Fakul­tät stüt­zen. Die hat Mit­ten im vor­letz­ten Semes­ter plötz­lihc ver­kün­det, eines der Pflicht­s­e­mi­nare würde es im Win­ter­se­mes­ter nicht geben. Die Info erreichte mich als unmit­tel­bar betrof­fene Stu­den­tin als ein Gerücht!!! Das Chaos, das dar­aus resul­tierte endete mit einem Quer­ein­stieg in einen für’s nächste Semes­ter ein­ge­plan­tem Kurs, einer Klau­sur mehr als erwar­tet und einem vor­ge­zo­ge­nem Vor­di­plom. Folge: Stress.

Jeder, der es bei uns unter stu­den­ti­schen Normal‑ lebens­be­din­gun­gen in der sog. „Regel­stu­di­en­zeit“ schafft, voll­bringt ein klei­nes Wunder.

[…] Aber nun zum Ernst des Lebens. In eini­gen Bei­trä­gen habe ich bereits berich­tet, dass es nicht ganz ein­fach ist, in den Zei­ten des Umbruchs nach Bolo­gna zu stu­die­ren. Nicht nur der Spie­gel gibt mir aus­nahms­weise Recht: In dem Arti­kel* von Marc Wid­mann und Jochen Lef­fers geht es ja eigent­lich um die Jura­stu­den­ten in Ham­burg, denen jetzt wegen abso­lu­ter Über­las­tung des zustän­di­gen Jus­tiz­prü­fungs­amts Stu­di­en­ge­büh­ren dro­hen, wäh­rend sie damit beschäf­tigt sind, auf ihre Examens­er­geb­nisse zu warten. […]

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