Linux wird langsam aber sicher zur echten Windows-Alternative. Lange schon können nutzerfreundlichere Versionen mit graphischer Installationsassistenz und Installationsmanagern aufwarten. Mit Firefox, Thunderbird, OpenOffice und vielem mehr bietet die OpenSource-Ecke alle Anwendungen für den Otto-Normal-User aber auch für spezielle Anforderungen.
Dass für mehr Komfort und Stabilität zur Not auch der neueste Schnick-Schnack hinten anstehen muss, beweist die neue Ubuntu-Version 6.06 LTS, welche unter dem Namen „Dapper Drake“, zu deutsch: adretter Erpel, seit dem 1. Juni 2006 verfügbar ist. Das Release wurde um sechs Wochen verschoben, damit die Entwickler noch etwas an der Stabilität arbeiten konnten und eine ausgereiftere Version freigeben. Weder Xgl noch der im neuen OpenSuse 10.1 integrierte Kernel 2.6.16 sind in der neuen Ubuntu-Version berücksichtigt. Dafür gibt es aktuelle Versionen der Anwenderprogramme (Gimp, Evolution, Firefox, OpenOffice, usw.) sowie einen graphischen Installationsassistenten. Sofern man die RAM-Voraussetzung von 256 MB erfüllt, ist es sogar möglich, das gesamte System aus einer Live-Session heraus zu installieren.
Um den Sprung in die Unternehmen zu schaffen, kommt Ubuntu erstmals mit Long Term Support (LTS) daher, welcher Sicherheitsupdates auf drei Jahre für Desktop-Versionen und sogar auf fünf Jahre für Serverdienste garantiert. Unternehmer, die nicht alle 18 Monate eine komplette Neuinstallation ihrer Software vornehmen wollen und können, sollen so zum Wechsel überzeugt werden.
Weiterhin wurde ein wenig an der Oberfläche gefeilt und Nachinstallationsroutinen erleichtert, z. B. für Java, Beagle & Co..
Noch hat Ubuntu einige Schwächen, vor allem im Bereich der WLAN-Nutzung. Die Schwächen sind für Linux-Kenner kein Problem, stellen jedoch Hürden für Ein‑ und Umsteiger dar, wie Michael Kofler in seinem ausführlichen Testbericht beschreibt.
Fazit: Als sicherer „Mama“-Rechner und kostenfreie, virenfeste und intuitiv zu bedienende Distribution bietet Ubuntu Dapper Drake dauerhafte Stabilität, geringe Hardware-Anforderungen und eine überschaubare Arbeitsumgebung mit allen notwendigen Programmen für tägliche und weniger alltägliche Aufgaben. Die gut organisierte und hilfsbereite Fangemeinde bietet unter UbuntuUser.de und Ubuntu-Forum.de Hilfestellung bei auftretenden Problemen sowie Orientierung in der Einstiegsphase und darüber hinaus. Der Preis für Stabilität und Sicherheit ist die fehlende Integration von ganz aktuellen Entwicklungen, wie Xgl & Co. – hier ist der Technik-Geek mit OpenSuse 10.1 (Testbericht) im Moment besser bedient. Allerdings verfolgt diese Distribution auch ein anderes Zielpublikum als Ubuntu. Hier liegt der Schwerpunkt auf Usability und produktiven Einsatz.
Nachtrag: Nicht mehr ganz aktuell, aber interessant ist der Ubuntu-Testbericht von Dave Guard im Free Software Magazine. Sein Artikel „Linux on the desktop: are we nearly there yet?“ beschreibt aus Sicht eines Linux-Einsteigers erste Höhen und Tiefen mit Ubuntu. Der Artikel ist ein dreiviertel Jahr alt, nimmt also nicht auf aktuelle Ubuntu-Versionen Bezug, zeigt aber grundsätzliche Positionen und Hürden auf, denen sich OpenSource Ein‑ und Umsteiger gegenüberstehen.
1. Anna-Maria
13/06/2006 03:58 pmStefan Waidele veröffentlicht – passend zum Start der neuen Ubuntu Live-CD – eine Artikelserie, die Linux auch dem Ein‑ und Umsteiger nahebringen soll. Im deutschen Ableger des Linux Basic-Portals sowie im basicthinking-Blog wird es eine Sammlung von Berichten über den Alltag mit Ubuntu geben. Ziel ist, alle Anwendungsbereiche vorzustellen und abzudecken, sodass am Ende ein informierter Entscheidungsprozess pro/contra Linux ermöglicht wird.