Aufgrund einer allgemeinen Panik, die ich jetzt mal textproduzierend in den Griff zu bekommen versuche, hier meine kleine aber hoffentlich anregende Argumentation zum Thema Backup für alle: Wenn ich von Datensicherheit spreche, dann spreche ich nicht von der totsicheren Bandanlage im Bunker für den Privatmann oder die Privatfrau. Ich meine auch nicht, dass man nicht GMail verwenden soll (ich mag Google & GMail auch). Ich spreche ausdrücklich NICHT vom bastel-und-Test-Rechner, der sich jede Software gefallen lassen muss, die mir gerade in einem Review, Kommentar oder Blog über den Bildschirm läuft.

Nein, ich spreche hier ausdrücklich von all jenen Maschinen, die uns treu ergeben im (Arbeits‑ oder Familien‑) Alltag zur zuverlässigen Verfügung stehen sollen. Denen wir – oder einige von uns – Kreditkartennummern, offizielle Korrespondenz mit offiziellen Einrichtungen, delikat-private Mailkontakte oder Chatpartner, das Familienfotoalbum, die Adressliste der wichtigsten Geschäftspartner, die Dissertation oder den ersten Roman, anvertrauen.

Kurzum: Dinge, die wir nicht verlieren wollen, sollen oder dürfen, weil sie unbezahlbar oder nur sehr teuer wieder zu beschaffen sind. Egal was gesichert werden soll: Menschen wie ich, deren zuverlässiger Computer sie in ein falsches Sicherheitsgefühl wiegt, die für alles und jeden Zweck eine überschaubare Anzahl von drei möglichen, immer gleichen Passworten benutzen, wir Briefetipper und eBay-Shopper.

Vergessen wir nicht alle manchmal, dass es sich „nur“ um fehler‑ und verschleißanfällige Technik handelt, vor oder mit der wir unsere Aufgaben erfüllen? Wollen wir nicht alle der Technik mehr vertrauen, als uns selbst, die Verantwortung an die perfekte Maschine abgeben? Jeder hat schwache Momente. Auch unsere Technik.

Ich beziehe mich im Folgenden also auf Ottonormalverbraucher, nicht auf die Profis, die es besser wissen. Ich rede von kleinen Dingen: Regelmäßige Backups. Einmal ein paar Minuten in eine durchdachte Backupstrategie für den eigenen Bedarf investiert und ruhig schlafen können. Ganz unabhängig vom Betriebssystem und von der verwendeten Hardware kann es nämlich uns alle treffen: Der Blitz schlägt ein und vernichtet die Arbeit eines ganzen Wochenendes. Der Nachbar schickt mit der Mail und einer verseuchten xy.*-Datei die Geburtstagseinladung. Der Besuch will kurz ‚was Surfen‘ und schon hat man die Wurm‑/*xy*-was-auch-immer-Sauerei auf dem eigenen PC und die Daten sind futsch. Es gibt unendlich viele Szenarien – vom Hausaufgabenklassiker „Hat der Hund gefressen“ (z. B. den USB-Stick) bis zum plötzlichen Tod der Festplatte. Alles schon dagewesen.

Die Bedrohung ist präsent und ubiquitär, die wenigsten sind auf den Daten-GAU vorbereitet. Dabei gibt es mittlerweile einige Möglichkeiten, sich abzusichern, bevor man die Hotline der Datenrettung anrufen muss. Hier nur eine kurze, unvollständige Liste, wie immer ohne Gewähr serviert wird und bitte nicht als Werbemaßnahme aufzufassen ist:

  • Speichermedien kosten heute nicht mehr die Welt: Die meisten rund-um-sorglos-PCs werden mittlerweile mit DVD-Brenner ausgeliefert, USB-Sticks sind beliebte und nützliche Schlüsselanhänger und selbst die gute alte CD-ROM (oder gar Floppy?!) bieten für kleinere Datenmengen oder die Sicherung von überschaubaren Datenmengen Platz. Natürlich sollte man bei Anlage eines Backups auch so konsequent sein, die Medien vernünftig und aussagekräftig zu beschriften.
  • Externe Festplatten sind heutzutage erschwinglich: Die meisten Geräte werden sogar mit der passenden Backupsoftware ausgeliefert, sodass man, ist das Gerät erst einmal im Haus, direkt mit der Sicherung loslegen kann. Bitte vorher nicht vergessen, die Festplatte auf evtl. Fehler hin zu überprüfen und einmal komplett zu formatieren. Dabei werden u. U. evtl. Hardwarefehler der Investition erkannt. Mit einer externen Festplatte (seien es „normale“ HDDs, iPods o. ä. portable Geräte) kann man nicht selten die gesamte Festplatte spiegeln, also ein komplett Backup all seiner Daten – vom Betriebssystem, über die installierten Applikationen bis hin zu den systemeigenen Einstellungen – anfertigen. So ein Festplattenimage halbwegs aktuell (1x im Monat erneuern) vorrätig gehalten, ist man für alle Eventualitäten abgesichert. Natürlich nur, wenn man vorher erfragt, wie man das Image wieder lauffähig bekommt, da Imagedateien die Daten komprimieren, um Platz zu sparen.
  • Das faz.net-Software-Portal (Mac: 9; Win: 56), Versiontracker​.com (Mac: 145; Win: 441), MacPpdate​.com (Mac OS Ⅹ: 145; Mac OS 8⁄9: 38), sourceforge​.org (552 Projekte) & Co. … listen beim Stichwort „Backup“ eine Vielzahl von kostengünstigen (Shareware) und kostenfreien (Freeware, Donationware, OpenSourceSoftware …) Programmen auf, die bei Backups unterstützen, diese automatisieren und über spezifische Einstellungsoptionen auch an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Mal einen Nachmittag Zeit nehmen, ein bisschen Rumgucken, Testen und Recherchieren. Ein Programm finden, mit dem man warm wird und dann jeden Sonntag Abend (oder jeden dritten Dienstag im Monat …) einmal den Bestätigen-Button klicken. Egal wie viel Zeit oder Nerven das kostet, ein Datenrettungsteam mit informationstechnischer Expertise im Falle eines Falles zu engagieren, wird mit Sicherheit teurer.
  • Oft bieten die Betriebssysteme integrierte Backup-Routinen, die man nur noch mit entsprechenden Einstellungen versehen muss. Evtl. reichen einem für die offizielle Korrespondenz oder die Literaturdatenbank schon die Bordfunktionen aus.
  • Die beste und ausgeklügelste Archivierungskunst ist nutzlos, wenn man im Notfall nichts wiederfindet. Sammeln und Sichern ist gut, jederzeit Reaktivieren können besser. Daher: Immer schön den Überblick behalten, alles halbwegs aussagekräftig beschriften und ablegen, veraltete Backups löschen und vorhandene Archive regelmäßig nach Relevantem durchsehen, denn Relevanz ändert sich ja mit der Zeit. ;)

Noch ein Hinweis zur Zukunftssicherung der eigenen Daten: Nicht nur eine aussagekräftige Beschriftung und ein intelligentes Ablagesystem helfen, die Dinge zu recyceln und wieder benutzbar zu bekommen. Auch die Verwendung offener Dateiformate und die Einhaltung offener Standards machen die eigenen Daten zukunftssicher, da man auch bei Backups darauf angewiesen sein kann, diese erst nach längerer Zeit wieder auszulesen.

Evtl. existieren die Programme, mit denen die Daten verarbeitet und abgespeichert wurden dann nicht mehr, oder nur noch in einer anderen, neueren Version, die nicht abwärtskompatibel ist. Die Verwendung offener Formate und Umsetzung von offenen Standards machen es relativ wahrscheinlich, dass es auch in einigen Jahren noch Programme geben wird, die diese Daten dann auslesen, verarbeiten, interpretieren usw. können, weil offene Standards – wie der Name schon sagt – alle frei zugänglich zur Verfügung stehen und jeder Programmierer diese umsetzen kann. Geschlossene Formate und proprietäre Standards sind oft an eine Firma gebunden, die mit ihrer Software darauf angewiesen ist, Geld zu verdienen. Wenn die Firma also aus wirtschaftlichen Gründen das eigene Format ändert, oder die Programme, die diese Formate auslesen, einstellt, dann hat man am Ende womöglich keine Alternativen, um seine Daten auszulesen, umzuspeichern und wieder zu verwenden.

Die Wahrscheinlichkeit, in so einem Fall Datenverluste zu erleiden ist ungleich höher, als dies beim Einsatz offener Formate und Programmlösungen der Fall ist.

Daher an dieser Stelle noch der Werbehinweis auf die XML-basierten Verfahren und OpenDocument-Formate, welche bereits durch viele Freie Anwendungsprogramme unterstützt werden. :)

Und noch ein letzter Hinweis, der mir besonders am Herzen liegt: Es ist immer gut, einen Plan zu haben. :D Gute Nacht allerseits.

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