Nach der schon mehrere Monate zurück liegenden „Bleib Legal„-Kampagne hatten die Macher der freien Office-Suite OpenOffice auf sich aufmerksam gemacht.
Gleichzeitig bescherte das neue Nativformat (OpenDocument) der Office-Suite – welches mittlerweile auch als ISO-Standard anerkannt ist – positive Presse.
Herr Surendorf schreibt ja bekanntlich Bücher, um sich sein Studium zu finanzieren. Ihm gelingt es, schwierige technische Sachverhalte so darzustellen, dass ein Ottonormal-Computernutzer sich zurechtfindet – so auch in seinem Werk „Wissenschaftlich Arbeiten mit OpenOffice.org 2.0„.
Basics:
Kai Surendorf: Wissenschaftliche Arbeiten mit OpenOffice.org 2.0
erschienen bei: Galileo Computing, 2006.
319 Seiten, geb., mit CD
ISBN 3–89842–615–7
Preis: 19,90 Euro
Inhalt & Gestaltung:
Im Fokus der Betrachtung steht die Textverarbeitung der freien OfficeSuite OpenOffice Writer. Das Buch setzt Grundkenntnisse im Umgang mit dem eigenen PC voraus, nicht aber die Beherrschung von Textverarbeitungssystemen. Vorkenntnisse sind also nur im Bereich PC einschalten, Betriebssystem starten und Browser nutzen notwendig – die Nutzung von OpenOffice (im Folgenden OO.o abgekürzt) an sich wird von der Installation bis hin zur fertigen Dissertation vorbildlich erläutert, ohne jedoch durch die Besprechung von (Un‑)Tugenden des wissenschaftlichen Arbeitens selbst aufgehalten zu werden.
Ich gehe jetzt nicht auf das komplette Inhaltsverzeichnis des Buches ein und arbeite auch nicht alle Kapitel auf, das kann der geneigte Leser an anderer Stelle verfolgen. Eine Übersicht über den Inhalt der mitgelieferten CD-ROM findet sich hier.
Zu Beginn tut sich für mich der erste von ganz wenigen Minuspunkten im Buch auf: Es findet eine Erläuterung des Installationsprozesses unter Windows und Linux statt, nicht aber unter Mac OS X, obgleich sich hier die Installation für Anfänger etwas komplizierter gestaltet, da die X11-Umgebung notwenig ist, um OO.o ans Laufen zu bekommen. Ist Kai Surendorf doch sonst ziemlich mac-begeistert, bleibt also für die Macuser unter uns, die sich zum erstem mal mit OO.o auseinandersetzen, nur der Blick auf die zum Buch bereitgestellte Homepage. Leider werde ich auch hier nicht fündig, auf der Suche nach dem im Buch versprochenen Installationstutorial für Macnutzer.
In diesem Fall hilft das Apfelwiki weiter und geleitet mich zu einem deutschsprachigen Tutorial „Mini howto Installation OpenOffice.org 2 (X11-Version) für Mac OS Ⅹ PowerPC und Intel“ [pdf]. Hier erfahren wir dann auch vom deutschsprachigen Mac-Porting Team der OO.o, wie wir OpenOffice installieren.
Wie schon gesagt, ist also dieser Ratgeber auch für absolute Einsteiger in den Bereich der Textverarbeitung gedacht. Gleichwohl lässt der Titel schon vermuten, dass nicht typische Sekretariatsaufgaben erläutert werden, sondern dass der Einsatz von OpenOffice im wissenschaftlichen und universitären Alltag beschrieben wird. Das wiederum wird hervorragend gelöst: Es gibt keine nervigen Übungsaufgaben, sondern sehr hilfreiche Tipps, wobei die ersten Kapitel mit Grundsätzlichem (Installation, Dokumentmanagement, Einrichtung der Office-Umgebung, …) beginnen und mit fortschreitender Seitenzahl auch die genutzte Komplexität der Office-Suite steigt. Steht die Textverarbeitung als wohl wichtigstes Programm für uns (Geistes‑)Wissenschaftler im Vordergrund, gibt es aber auch jeweils ein Einführungskapitel in die anderen Anwendungen Calc (Tabellenkalkulation), Base (Datenbank), Math (Formeleditor), Draw (Zeichnungen & graphische Darstellungen) und Impress (Präsentationen).
Neben der Darstellung der wichtigsten Arbeitsschritte zur Erstellung von Uni-Material (Präsentationen, Thesenpapiere, Hausarbeiten, Dissertationen, Literaturdatenbanken, …) werden auch zahlreiche Hinweise zum effizienten Arbeiten mit den Programmen im Allgemeinen und der klugen Darstellung von Inhalten im Besonderen gegeben. Auch auf Fallstricke bei der Arbeit mit funktionsumfänglichen Programmen macht Herr Surendorf aufmerksam: Der Unistarter wird nicht nur vor Blinkschrift in Präsentationen und anderen übertriebenen Textauszeichnungen gewarnt, sondern erhält auch sinnvolle Tipps zur Gliederung der Arbeit, Dokumente und Aufteilung der Daten. Ein weiterer Pluspunkt: Man kann es als Computergeschundener nicht häufig genug betonen, auch Herr Surendorf erinnert an ein durchdachtes Dokumentmanagement und eine Backupstrategie für den Notfall.
Was mir – neben der Gestaltung, dazu mehr unten – des Weiteren positiv auffällt: Wann immer es mehrere Wege gibt, ein Ergebnis zu erreichen, werden diese dargestellt und erwähnt. Insbesondere wenn es neben der Ansteuerung der Menüs auch Mittel und Wege gibt, Menüpunkte und Optionen über Tastaturkürzel zu erreichen, werden diese genannt! Das löste Freude bei mir, einer überzeugten LaTeX-Nutzerin, aus. Das Arbeiten mit der Tastatur kann einem denn auch viele Griffe zur Maus abnehmen – wenn man nur die Tastenkombination kennt. Diese sind im Buch fett hervorgehoben.
Ein zweiter Negativpunkt liegt wohl u. a. im Fokus des Buches begründet: Zwar entlarvt der Autor die im deutschen Sprach‑ und europäischen Wissenschaftsraum unzureichende integrierte Literaturverwaltung unter OO.o; dies geschieht aber nur, um sich dann mit Hilfe der integrierten Datenbank Base eine eigene Literaturverwaltung zu basteln. Hier vermisse ich ganz eindeutig den Verweis auf (genauso freie) Alternativen (z. B. JabRef, BibDesk, Pybliographer, Tellico, …), welche sich auf die Verwaltung von Literatur konzentrieren und daher auch angenehmer zu bedienen sind, als eine zurechtgestrickte Lösung innerhalb der Office-Suite. Aber wie gesagt: Die Präferenz zunächst auf Bordmittel zurückzugreifen, die innerhalb des Programms existieren, welches im Buch vorgestellt wird, ist verständlich; ein Hinweis, dass es noch andere Programme gibt, wäre trotzdem nicht schlecht.
Das Buch – in strapazierfähiges
Hardcover gekleidet – könnte halb so dick sein, wären da nicht die vielen Abbildungen. Diese helfen nicht nur bei der Orientierung in Menüs und Programmen, sondern ermöglichen gleichzeitig auch ein Lesen des Buches, ohne permanent vor dem PC sitzen zu müssen – zumindest ging es mir so. Für den Studienanfänger sollte indes ein verlängertes Wochenende (z. B. das um den Deutschen Nationalfeiertag diesen Oktober
) ausreichen, um sich mit/während/neben der Lektüre des Buches nicht nur Fertigkeiten rund um OO.o anzueignen, sondern auch, um sich mit einem ersten Satz von Dokumentvorlagen für den Unialltag zu rüsten. Denn auch das lernt man während der Lektüre: Sind die Vorlagen erst einmal erstellt, tippt es sich gleich viel schneller.
Auch die sonstige Gestaltung des Buches lässt keine Wünsche offen: Ein Index hilft beim Finden von Stichworten und innerhalb der Kapitel kann man sich anhand von Marginalien langhangeln. Wichtiges ist entsprechend hervorgehoben, die Gliederung insgesamt ist übersichtlich, man findet also schnell wonach man sucht.
Was ich gelernt habe:
Eine Textverarbeitung kann doch mehr, als ich vor der Lektüre dachte.
Trotzdem: Nach jahrelang erfolgreicher LaTeX-Nutzung bin ich dermaßen vertraut mit diesem Werkzeug, dass mir das Eindenken in Klicki-Bunti und WYSIWYG schon beim Lesen recht schwer fiel. Nicht das Nachvollziehen war das Problem, sondern die schier überfordernde Anzahl notwendiger Klicks, unscheinbarer Häkchen und inhaltlich teilweise anspruchsvoller Boxen und Menüs, welche man da berücksichtigen und durchgehen muss. Hat man die erst einmal bewältigt und sich an diese Arbeitsweise gewöhnt, dann kann eine Textverarbeitung sicher genaus erfolgreich zum Ziele führen, wie der Textsatz.
Die wichtigste Regel zum erfolgreichen Einsatz der Programme wird dem geneigten Nutzer in vielen alltagstauglichen Beispielen nahe gebracht: Die Erstellung von Formatvorlagen ist ein zentrales Thema in diesem Ratgeber und wird umfänglich erörtert.
Fazit: Absolut empfehlenswert!
Insbesondere Erstsemester und Studis, die vor ihrer ersten größeren schriftlichen Arbeit stehen, und nicht aus den Hardcorenaturwissenschaften kommen (in denen sowieso nur LaTeX angesagt ist), finden hier übersichtlich und verständlich erläutert, was zu tun ist, um ans Ziel zu gelangen.
Die knappen 20 Euro sind für jene, die sich für’s Studium OO.o-fit machen wollen, sicher gut angelegt, auch, um dauerhaft ein deutschsprachiges Nachschlagewerk am Schreibtisch liegen zu haben – nicht immer hat man ja einen rund-um-die-Uhr-Zugriff auf das Internet und entsprechende online-Ressourcen. Manchen von uns ist aber auch ein „echtes“ Buch 1000mal angenehmer, als ein noch so liebevoll gestaltetes PDF.
ßbersicht:
Stärken:
- gut und verständlich geschrieben
- setzt keine Spezialkenntnisse voraus, sondern führt auch in die grundlegende Bedienung ein
- Titel hält was er verspricht: Der komplette Uni‑ und Wissenschaftsbedarf wird – zumindest aus meiner (textwissenschaftlichen) Sicht – abgedeckt.
- Layout unterstützt die verständliche Präsentation des Inhalts.
- Mitgelieferte CD-ROM ermöglicht sofortigen Einsatz des neuerlesenen Wissens.
- Hinweise zur „wissenschaftlichen“ Darstellung und Präsentation des Erarbeiteten.
- Tipps zum effizienten Umgang mit dem Programm.
- Nach dem Mitarbeiten, also dem aktiven Nachvollziehen, der im Buch beschriebenen Arbeitsschritte, ist man gut für den Arbeitseinsatz von OO.o gerüstet.
- Es gibt neben der Homepage zum Buch auch ein Forum für Nachfragen.
- Selbstbeschränkung des Autors auf das Wesentliche: Wissenschaftliche Arbeitstechniken an sich werden nicht erläutert, ebensowenig die ganz frühen PC-Basics oder Sekretariatsaufgaben wie bspw. die Serienbrieferstellung.
- Buch ist umfangreich genug, um sich damit durchs gesamte Studium zu hangeln (mal von Neuerscheinungen des Programmes abgesehen) und grundlegend genug, um nicht schon vorher ein Textverarbeitungsprofi zu sein.
Schwächen:
- Keine Erläuterung der Installation von OO.o unter Mac OS Ⅹ.
- Kein Hinweis auf die unausgereiften Literaturverwaltungsmöglichkeiten unter OO.o bzw. kein Verweis auf funktionstüchtigere Alternativen.
- Verweis auf typographische Perfektion, welche sich mit OO.o erreichen ließe – LaTeX allerdings bleibt unerwähnt.
Andere Reviews:

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20/03/2007 05:18 pm[…] Semester möchte ich dann noch einmal auf das OpenOffice.org-Buch von Kai Surendorf: “Wissenschaftlich Arbeiten mit OpenOffice.org 2.0“, den aktuellen “The lazy user–s guide to OpenOffice.org Writer” beim […]
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10/09/2008 08:26 pm[…] dieses neuen Sterns am OpenSource‑ und Textverarbeitungshorizont weisen Kai Surendorf – Autor des Buches “Wissenschaftlich Arbeiten mit OpenOffice.org 2.0″ – und der Schockwellenreiter noch einmal auf die Grenzen von Textverarbeitungen […]