Alle schrei­ben über Lucys Baby* – ich über ein Geburts­tags­kind: :)

Vor kur­zem hatte der Nean­der­ta­ler, einer unse­rer homi­ni­den Vor­fah­ren sei­nen 150. Geburts­tag – oder sollte ich lie­ber sagen: Sein 150. Entdeckungsjubiläum?

Wäh­rend Archäo­lo­gie online unse­rem Vor­gän­ger auf euro­päi­schem Boden pünkt­lich zum Jubi­läum ein Schwer­punkt­thema wid­mete und das Quarks & Co.-Team eine ganze Sen­dung (samt Video­Pod­cast) über den Nean­der­ta­ler aus­strahlte, gibt es Neu­ig­kei­ten aus der Welt der (gene­ti­schen) Wissenschaft:

Das mensch­li­che Genom ist seit eini­ger Zeit kom­plett ent­schlüs­selt – die Final Papers sind 2006 erschie­nen – und nun möch­ten Paläo­an­thro­po­lo­gen unse­ren ent­fern­ten mensch­li­chen Ver­wand­ten auf die DNA schauen.

Wie Thilo Jor­dan auf Archäo­lo­gie online berich­tet:

Ein For­scher­team um Prof. Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evo­lu­tio­näre Anthro­po­lo­gie in Leip­zig will nun in Zusam­men­ar­beit mit der us-amerikanischen Firma 454 Life Sci­en­ces das gesamte ca. 3 Mil­lio­nen Basen­paare umfas­sende Genom des Nean­der­ta­lers beschreiben.

Herr Jor­dan geht sehr schön auf die ver­schie­de­nen Schwie­rig­kei­ten ein, die sich bei der Extrak­tion, Sequen­zie­rung und Beschrei­bung der­art alter DNA erge­ben. Von prä­his­to­ri­scher DNA (aDNA) über mito­chon­dria­ler DNA (mtDNA) wird klar: Das Unter­neh­men ist eine ziem­li­che Sisy­phos­ar­beit. :)

Aber: Es wird sich loh­nen, denn zu viel ist noch im Unkla­ren über unsere Ahnen und ob und wie sie in Kon­takt, Aus­tausch (auch gene­tisch gese­hen) zu den Vor­fah­ren stan­den, die sich zu den Homo sapi­ens sapi­ens ent­wi­ckeln sollten.

In Leip­zig wird wohl ein Groß­teil der Arbeit darin beste­hen, zu Sam­meln (Sam­ples) und zu Ver­glei­chen, denn der Zahn der Zeit nagt am Mate­rial und die Dekon­ta­mi­na­tion durch Bak­te­rien, Pilze, andere Mikro­or­ga­nis­men und den Men­schen schrei­tet ste­tig voran.

Wäh­rend weit­ge­hen­der Kon­sens zu den Lebens­be­din­gun­gen der Nean­der­ta­ler unter den For­schern herrscht, sind die evo­lu­ti­ons­ge­ne­ti­schen Zusam­men­hänge zwi­schen den frü­hen Men­schen und den Nean­der­ta­lern immer noch ein wei­tes Dis­kus­si­ons­feld, ins­be­son­dere, da der Lebens­raum der Nean­der­ta­ler wäh­rend der Aus­brei­tung des moder­nen Men­schen nicht klar be‑ bzw. von die­sen abge­grenzt wer­den kann:

  • Die Mul­ti­re­gio­na­lis­ten gehen von einem gemein­sa­men Ursprung (Homo erec­tus) des Nean­der­ta­ler und des moder­nen Men­schen aus, die 2 Mio. Jahre der­sel­ben Spe­zies – Homo sapi­ens – ange­hör­ten, wobei die Nean­der­ta­ler unter ste­ti­gem Aus­tausch mit den moder­nen Men­schen regio­na­len Bevöl­ke­rungs­grup­pen bil­de­ten. Der Bei­trag der Nean­der­ta­ler zum Gen­pool des moder­nen Men­schen ist somit gewähr­leis­tet, d.h. die Nach­fah­ren die­ser regio­na­len Grup­pen – die Euro­päer – tra­gen mög­li­cher­weise noch Gene aus den Nean­der­ta­ler­po­pu­la­tio­nen in sich. Indi­rekt bedeu­tet dies, dass die Nean­der­ta­ler nicht aus­ge­stor­ben sind, son­dern sich in der Zeit der Co-Existenz mit den moder­nen Men­schen an diese assi­mi­liert bzw. par­al­lel wei­ter­ent­wi­ckelt haben.
  • Die Out-of-Africa-Hypothese ist mitt­ler­weile durch For­schungs­er­geb­nisse der Gene­tik gestützt. Dem­zu­folge wurde der Nean­der­ta­ler (und andere mensch­li­che Arten) vom moder­nen Men­schen ver­drängt bzw. ersetzt, wäh­rend die­ser aus Afrika auswanderte.

Die wesent­li­chen Fra­gen und Sze­na­rien in Bezug auf die gene­ti­schen Hin­ter­gründe des Auf­ein­an­der­tref­fens von moder­nen Men­schen und Nean­der­ta­lern sind hierbei:

#1 Wie sah die Begeg­nung von frü­hen Men­schen und Nean­der­ta­lern aus?

Geht man von der Hypo­these aus, dass die frü­hen Men­schen aus Afrika kamen und von dort aus Europa und die gesamte Welt bevöl­ker­ten, dann gibt es ein zeit­li­che Über­lap­pung der Bevöl­ke­rungs­struk­tur in Europa: Men­schen und Nean­der­ta­ler müs­sen sich begeg­net sein, denn sie bewohn­ten eine Zeit lang den­sel­ben Kon­ti­nent, bevor die Nean­der­ta­ler vor etwa 30.000 Jah­ren verschwanden.

#2 Haben die Nean­der­ta­ler zum mensch­li­chen Gen­pool beigetragen?

Haben wir und unsere frü­hen Vor­fah­ren gene­ti­sche Ähnlich­keit mit dem Nean­der­ta­ler(?), weil diese sich evtl. mit Men­schen fort­pflan­zen konn­ten? Die These, dass Nean­der­ta­ler zu Men­schen wur­den, sich also quasi gene­tisch an die grö­ßer wer­dende Gruppe der Men­schen assi­mi­lier­ten, kann ver­neint wer­den. Abge­se­hen vom zeit­li­chen Rah­men, der das plötz­li­che Ver­schwin­den der Nean­der­ta­ler in die­sem Fall nicht auf­klä­ren könnte, haben Serre et. al. zei­gen (indi­rekt) kön­nen, dass die Nean­der­ta­ler zumin­dest nicht in grö­ße­rem Umfang zum mensch­li­chen Erb­gut beige­tra­gen und den homi­ni­den Gen­pool berei­chert haben.

Das Pro­jekt um das Genom des Nean­der­ta­lers soll nun bis 2008 Licht ins Dun­kel der gene­ti­sche Iden­ti­tät unse­rer prä­his­to­ri­schen Mit­be­woh­ner bringen.

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Wei­tere Infor­ma­tio­nen und Arti­kel zum Thema:

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* Arti­kel zu Lucys Baby, u. a.:

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