Und da der Mas­ter bekannt­lich ein Alles­kön­ner ist, sol­len wir schon in unse­rer Anwärter­schaft auf den Mas­ter of Arts in Peace and Con­flict Stu­dies nach Gro­ßem, gar dem Unmög­li­chen stre­ben. Warum ich mich so auf­rege? Hier die ganze Geschichte:

Ges­tern lud unser Mas­ter­stu­di­en­gang zur extra-curricularen Pflicht­ver­an­stal­tung: Aus der ech­ten Rea­li­tät der Pra­xis kamen drei weise Frauen, die uns berich­ten soll­ten, wel­che Berufs­fel­der uns mit unse­rem Abschluss offen ste­hen. Die gute Nach­richt zuerst: Es sind unzähl­bar viele (Insti­tu­tio­nen, staat­li­che und nicht-staatliche, auf allen Ebe­nen, kleine und große Pro­jekte, in Deutsch­land und im Aus­land, aka­de­mi­sche und prak­ti­sche, –). Die schlechte Nach­richt: Ers­tens wuss­ten die Vor­tra­gen­den offen­sicht­lich nichts über den Mas­ter, außer dass er bedeu­tet FuK kon­zen­triert als ein Fach ohne Neben­fä­cher zu studieren.

Ⅾ. h. im Klar­text: Die gin­gen vom Magister‑Neben­fachstu­di­en­gang aus, der offensichtlich—im Gegen­satz zu unse­rem Master—keine 24⁄7 Beschäf­ti­gung für die Stu­die­ren­den bot. Zweite Mög­lich­keit: Der (deut­sche) Arbeits­markt ver­langt nur nach Son­der­bio­gra­phien und irrea­len Super­per­sön­lich­kei­ten mit Ten­denz zum Genialen.

Warum? Weil das, was die Damen uns berich­te­ten, wahr­lich ins­ge­samt und auch in Aus­schnit­ten im Bereich des Unmög­li­chen liegt, wenn man den Mas­ter in Regel­stu­di­en­zeit stu­diert. Wir sol­len, neben dem Studienprogramm—durch das wir uns einen the­ma­ti­schen und regio­na­len Schwer­punkt, den das Pro­gramm weder bie­tet, noch vor­sieht, bil­den sol­len— u. a.:

  • Sprach­kennt­nisse aus­bauen und neue, wenn es geht „Sparten“sprachen (also sel­tene Dia­lekte usw.) erler­nen. Die könn­ten ein­mal ein „uni­que selling-point“ auf dem Arbeits­markt werden.
  • Wir sol­len uns mit eige­nen Pro­jek­ten auf Tagun­gen und Work­shops prä­sen­tie­ren und dadurch schon mal Kon­takte knüp­fen, um spä­ter wen anru­fen zu kön­nen, der wen anru­fen kann, usw., also akti­ves Net­wor­king betreiben.
  • Wir sol­len uns ehren­amt­lich mit einer gewis­sen Nach­hal­tig­keit enga­gie­ren, damit wir zei­gen, dass wir wis­sen, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Alles klar, unsere Fach­wahl allein bringt dies natür­lich nicht zum Ausdruck.
  • Wir sol­len Zeit und Geld in Prak­tika inves­tie­ren. Bitte immer im Hin­ter­kopf behal­ten: Alle von uns haben schon einen Stu­di­en­ab­schluss, die Prak­tika sind ⅰ. ⅾ. R. unbe­zahlt, da hel­fen auch gute Initia­ti­ven wie fair work noch nicht viel. Wir haben die Emp­feh­lung als Skan­dal ange­mahnt. Ja, natür­lich sei nicht davon gespro­chen wor­den, dass man selbst Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse unter­stüt­zen solle. Kein wei­te­rer Kommentar.
  • Und schließ­lich sol­len wir uns auch noch mit Neben­jobs wei­ter­qua­li­fi­zie­ren. Aha.

Ich weiß, dass Schlaf all­ge­mein über­schätzt wird, dass der Tag aber spe­zi­ell für Friedens‑ und Kon­flikt­for­scher 48 h hat, ist mir neu.

Ich habe mich ges­tern total auf­ge­regt, zumal eini­ges im Dun­keln blieb, was ich hier mal klä­ren muss:

  1. Hier stu­diert man ent­we­der den Mas­ter oder man macht was ande­res. Ich abeite gezwun­ge­ner­ma­ßen neben­bei als HiWi für 2 × 5 h pro Woche. Das ist schon ein Auf­wand, der sich eigent­lich nicht mit dem Stu­dium ver­ein­ba­ren lässt.
  2. Wir sind hier stän­dig mit 4 Pro­jekt­ar­bei­ten und 15 Grup­pen­mit­glie­dern gleich­zei­tig beschäf­tigt, weil der Semi­na­rin­put zu 80 % über Refe­rate und Grup­pen­prä­sen­ta­tio­nen läuft.
  3. Wir sind etwa 50 % der Zeit in der Uni, 25 % der Zeit orga­ni­sie­ren wir Refe­rats­grup­pen­tref­fen, 15 % der Zeit berei­ten wir Seminare/Referate vor. Ver­passt mal ein Grup­pen­mit­glied den Ter­min ist das für 4 andere eine mit­tel­schwere Katastrophe.
  4. Wir müs­sen ein Prak­ti­kum machen, in einer inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tion im Aus­land. Die­ses Pflicht­prak­ti­kum von 10 Wochen kann man genau in einer vor­le­sungs­freien Zeit—nämlich zwi­schen dem 2. und 3. Mastersemester—absolvieren. Jede inter­na­tio­nale Orga­ni­sa­tion rich­tet sich selbst­ver­ständ­lich mit ihren Prak­ti­kums­an­ge­bo­ten nach den vor­le­sungs­freien Zei­ten der Uni Mar­burg. Dem­ent­spre­chend groß ist die Reso­nanz auf Kon­takt­ver­su­che bezüg­lich poten­ti­el­ler Prak­ti­kums­ge­ber. Nie­mand erwar­tet ernst­haft, einen bezahl­ten Prak­ti­kums­platz zu bekom­men, aber dass von uns erwar­tet wird, dass wir in Zei­ten von Stu­di­en­ge­büh­ren unser Stu­dium durch ein oder meh­rer Prak­tika noch künst­lich ver­län­gern und ver­teu­ern sol­len, ist nicht ver­tret­bar, zumal einige von uns (ich gehöre dazu) u. a. arbei­ten gehen, um sich das Prak­ti­kum über­haupt leis­ten zu kön­nen. Ich finde, 15.000 Euro Schul­den zum Berufs­start aus­rei­chend, da muss man nicht noch End­los­prak­tika mit Krediten—bei unsi­che­rer Rückzahlungsmöglichkeit—gegenfinanzieren.
  5. Würde der Mas­ter in den Ver­an­stal­tun­gen qua­li­ta­tiv das bie­ten, was ver­spro­chen wurde, dann hät­ten wir auch Zeit, uns außer­halb der Pflicht­ver­an­stal­tun­gen um all die schö­nen Dinge zu küm­mern, die uns für den Arbeits­markt inter­es­sant machen. Da wir aber 40 % der Zeit in Grup­pen­ar­bei­ten rum­hän­gen und hys­te­risch ver­su­chen, lächer­li­che Dead­lines ein­zu­hal­ten, haben wir weder Zeit, Lust, Geld, Kraft und Inter­esse, uns noch mit zusätz­li­chen Stress­fak­to­ren zu belasten.

Amen.

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Hey, das ist doch prima. Wer sich bereits wäh­rend des Stu­di­ums unter Wert ver­kau­fen muss, weil die über das wirk­li­che Leben da draus­sen so prima infor­mier­ten Ange­hö­ri­gen der uni­ver­si­tä­ten Fakul­tä­ten ihren Stu­die­ren­den dazu raten, auch mal einen Niedriglohn-Job anzu­neh­men, darf sich nicht wun­dern, wenn hier die Pro­fite stei­gen, die Real­löhne indes im Sink­flug sind.

Berichte ruhig wei­ter! Hier kann man viel ler­nen über unser Hochschulsystem.

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