Soeben wurde mir auf mei­ner Arbeits­stelle mit­ge­teilt, dass ich ab Januar nicht mehr dort arbei­ten darf, weil ich zu teuer bin.

Bis­her basierte meine Anstel­lung auf münd­li­chen Absprachen—keiner der Hiwis im Insti­tut hat einen Ver­trag o.ä.. Wir kom­men zu ver­ein­bar­ten Tagen in der Woche, machen unse­ren Job und schrei­ben die Stun­den auf einen Stun­den­zet­tel. Der geht in die Lohn­ab­rech­nung und mit etwas Glück hat man schon drei Monate spä­ter sei­nen Lohn.

Jetzt, nach 2 Mona­ten Arbeit, hab ich immer noch kein Geld – die HiWi-Kollegen ver­si­chern mir aber, es wird kom­men, es dau­ert nur immer etwas. Mitt­woch dann der Schock: Die Sekre­tä­rin ist bei all dem Chaos im Insti­tut (Umzug, die Hälfte der Mit­ar­bei­ter ist neu, inkl. der Sekre­tä­rin, die – genau wie ich – keine Ein­ar­bei­tung genos­sen hat usw.) noch nicht dazu gekom­men, die Gehalts­ab­rech­nun­gen zu machen.

Aber: Jetzt wird das Abrech­nungs­sys­tem umge­stellt, es gibt nun bald Zeit­ver­träge und somit Ver­trags­si­cher­heit für uns alle. Naja, wegen den neuen Ver­trä­gen muss­ten die alten Lohn­zet­tel nun bis ges­tern in die Per­so­nal­ab­tei­lung, was Dank Hoch­druck­ar­beit aller auch geklappt hat.

Mal von Anfang an … Wir erin­nern uns: Ich hatte den Job gesucht, weil die Lebens­hal­tung in Mar­burg deut­lich teu­rer ist, als in Bochum und weil zu mei­nem Mas­ter ein inter­na­tio­na­les Pflicht­prak­ti­kum gehört, dass in den aller sel­tens­ten Fäl­len bezahlt wird. Ich brauch die Kohle also wirk­lich und finan­ziere damit keine Bene­fits wie Shop­pen, Rau­chen oder ein in Mar­burg obso­le­tes Auto. Also hab ich mir bereits im Juni einen Job gesucht und auch einen am Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Sozio­lo­gie und Sozi­al­me­di­zin der Uni Mar­burg gefun­den. Klar haben sie Arbeit für mich, evtl. nicht anspruchs­voll genug und ein­tö­nig, aber naja.

Ich war super happy, hier einen Job mit freier Zeit­ein­tei­lung gefun­den zu haben, der mir für 2 Jahre sicher ist. Im Juni hatte ich bereits mei­nen ers­ten Abschluss, den Bache­lor of Arts. Ich wurde im Bewusst­sein der Tat­sa­che ein­ge­stellt, dass ich bereits ein vol­les, berufs­qua­li­fi­zie­ren­des Stu­dium hin­ter mir habe und dass ich mit einem Abschluss zu arbei­ten anfange.

Der Start war dann auch etwas holp­rig aber man arran­giert sich halt.

Heute komme ich nun zur Arbeit und erfahre: Das Insti­tut kann sich mich nicht mehr leis­ten, weil ich einen Abschluss habe. Ich arbeite seit zwei Mona­ten dort und bin fest von einem Job für die nächs­ten zwei Jahre aus­ge­gan­gen. Es tut ihnen leid, aber mit einem Abschluss darf ich nicht als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft beschäf­tigt wer­den, ich muss als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft beschäf­tigt wer­den und die kos­tet 12 statt 8 Euro pro Stunde und die vier Euro mehr hat das Insti­tut nicht.

Ich fühl mich mal wie­der rich­tig beschis­sen, im wahrs­ten Sinne des Wor­tes. Kann nicht mal was glatt gehen, hier?

Ich werde nun für drei Dezem­ber­wo­chen einen Zeit­ver­trag bekom­men als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft, weil man sich doch gescheut hat, mich von heute auf mor­gen vor die Tür zu set­zen. D.h. ich habe noch drei Wochen Zeit, mir einen neuen Job zu suchen. Mit­ten im Semes­ter, wo jetzt keine HiWi-Stellen aus­ge­schrie­ben sind und mich mit mei­nem Abschluss wahr­schein­lich eh kei­ner haben will. Der kleine Vor­teil: Ich bekomme dann für drei Wochen 12 Euro die Stunde, das macht die eine Woche wett, die ich im Dezem­ber sowieso nicht arbei­ten kann. Trotz­dem stehe ich ab Januar ohne Job da.

Ich hätte mich damals, als ich den Job schon hatte, noch auf andere Stel­len bewer­ben kön­nen, hab mich aber drauf ver­las­sen, dass alles klappt. Alle haben gesagt: Kein Ver­trag? Aber hey, 8 Euro pro Stunde in Mar­burg bei freier Zeit­ein­tei­lung, was meckerst du denn da?

Nun bin ich also wie­der auf Job­su­che und ein­mal mehr in mei­ner pes­si­mis­ti­schen Hal­tung zu deut­schen Uni­ver­si­tä­ten, dem Umgang mit jun­gen, leis­tungs­be­rei­ten Men­schen hier und mei­nem Unwohl­sein in Mar­burg bestä­tigt. Falls jemand was weiß, bitte mel­den, ich kann ja ein biss­chen was und gemacht hab ich auch schon eini­ges.

Was ich jetzt denke, schreibe ich lie­ber nicht, Fäkal­spra­che gehört nicht in die­ses Blog.

Verwandte Artikel

[…] Gefeu­ert! … oder: Joblos in Mar­burg — Hire & Fire live und in Farbe | Home […]

Ui. Krass…

Soll ich das mit der Fäkal­spra­che für dich über­neh­men? ;)

;) Dann leg mal los … Im Ernst, dass sowas an einer ech­ten deut­schen Insti­tu­tion geschieht *grübel*

Eine Neu­ig­keit im übri­gen: Diese Woche wurde mir von einem Mit­ar­bei­ter recht stolz berich­tet, wie bzw. dass es das Insti­tut schafft, kei­nen von den 4 Hiwis je in den Per­so­nal­ak­ten, auf Abrech­nun­gen etc. auf­tau­chen zu las­sen. Ich sage jetzt auch dazu mal nix.

[…] zwei­ten mal habe ich es geschafft, kurz vor Weih­nach­ten von mei­nem Arbeit­ge­ber vor die Tür gesetzt zu […]

[…] Es ist ja eine trau­rige Not­wen­dig­keit, wenn ich nicht ab Januar ohne sichere Ein­kom­mens­quelle dastehen […]

Post a comment

RSS Feed Amy Welt Amy @ Twitter Amy @ tumblr