So, zuerst die gute Nachricht: Nachdem ich mich drei Tage lang recht kreativ vor der ersten Ausarbeitung des Gruppenreferats zum Thema „Mediation als Konfliktregelungsform“ gedrückt habe, ist heute das fachliche innerhalb von drei Stunden zusammen getippt gewesen. Ja, ich leide unter Prokrastination.
Die schlechte Nachricht: Es hat mich 3 Stunden gekostet, den Spaß in OpenOffice zusammen zu tippen und weitere fünf Studen frustriert, die Infos in eine halbwegs vernünftige Form zu bringen und anschließend in einem akzeptierten Dateiformat so zusammen zu frickeln, dass es in die bereits fertige Hausarbeit.doc der Arbeitsgruppe passt.
Alle die mich kennen (ob durch die Blogs oder persönlich), wissen, wie ich zu MS Wörd & Co. stehe. Die Verwendung von OpenOffice.org und anderer offener Alternativen (OpenOffice, KOffice, AbiWord, usw.) propagiere ich zwar mit Leidenschaft und Inbrunst – das ganze stößt aber an seine Grenzen, wenn die Arbeitsgruppenmitglieder alle MS Word benutzen wollen und weder bereit sind umzusteigen (im Hausarbeitsstress verständlich), noch wissen, wie man ein anderes Programm installiert oder wenigstens als RTF abspeichert (unverständlich, da kein Aufwand). Super, ganz große Klasse. Ich bin fertig mit den Nerven.
Alles lief noch recht gut, als ich unter OpenOffice begann zu tippen. Ich habe zunächst in meine eigene Datei im OpenDocument-Format geschrieben. Es mussten anschließend noch drei schematische Darstellungen eingefügt werden – die Platzierung hat mich, Dank verschiedener Zwischenfälle (Graphiken rutschen unter‑ und übereinander, werden 20 mal im Dokument verteilt, obwohl nur einmal eingefügt, das Dokument wächst unaufhörlich auf über 160 Seiten, obwohl es nur 25 haben dürfte, es hilft nur ein Neustart des Programms), etwa 30 Minuten gekostet. Die ersten Zweifel und der Wunsch, zu meinem geliebten LaTeX zu greifen, wurden größer und größer.
Als der Spaß dann endlich geschafft ist, will ich ihn in das Hausarbeit.doc‑ Mutterdokument der Arbeitsgruppe einfügen. Also, Abschnitt für Abschnitt im Amy.odt markieren und entsprechend ins Hausarbeit.doc einfügen. Großes Kino: Bei den Graphiken funzt das natürlich nicht. Also: Graphiken extra im Hausarbeit.doc einfügen. Gleiches Prozedere und Gezetere meinerseits wie oben.
Als das geschafft ist, dachte ich, das Gröbste hinter mir zu haben. Aber: Weit gefehlt, Amy! Der Spaß geht erst richtig los. Ich will schon aus Prinzip das Ganze nicht als .doc sondern als pdf und im RTF verschicken. Frau muss ja nicht nur missionarisch tätig sein, sondern auch mit gutem Beispiel voran gehen. Also das Hausarbeit.doc hergenommen und in OpenOffice als Hausarbeit.RTF abspeichern wollen. Alles ist bestens, bis ich sehe, dass die Graphiken nicht übernommen werden. Nach einer Stunde rumprobieren gebe ich genervt auf und nehme Svens Office 2007 Testversion zur Hand. Da funktioniert das Umspeichern natürlich, aber siehe da, aus einem 146 kb großen MS Word-doc wird ein 8,88 mb (!) großes RTF. So verhindert man also, dass halbwegs dokumentierte und portable Dateiformate verbreitet werden.
Ich spiele auch hier ein wenig rum, kann es kaum glauben, es ist aber wahr. Unter gleichen Bedingungen (die Bilder sind in der Datei integriert) ergeben sich ganz abenteuerliche Dateigrößen:
- Word.doc: 146 kb
- OpenOffice.doc: 292 kb
- Word.rtf: 8.88 mb
- OpenOffice.rtf: 111 kb (ohne die 3 Graphiken = insgesamt 102 kb)
- Word.docx: 146 kb
- OpenOffice.odt: 131 kb
- Word.html: 346 kb
- OpenOffice.html: 183 kb
Zum Vergleich, hier mal die Daten der rohest und stabilst möglichen Dateiformate, zunächst aber die Fakten: Die Datei besteht aus
- 3 Graphiken (png, insgesamt 102 kb)
- 28 paginierten Seiten mit formatiertem Text ohne Fußnoten
- einem automatisch erstellten Inhaltsverzeichnis.
Die Vergleichsdateien:
- Hausarbeit.pdf: 301 kb
- Hausarbeit.tex: 61 kb
Dass beim Umformatieren nicht alles übernommen wird, dass sich plötzlich zwei Seitenzahlen pro Seite ergeben, dass sich alle möglichen Dinge verschieben, lass ich jetzt mal beiseite. Auch, dass ich es aus Verzweiflung zwischendurch mal mit Google Docs versucht habe, will ich mal auslassen.
Was habe ich heute gelernt? Eine ganze Menge:
- Vollständige Kompatibilität zu einem proprietären Format wird es wohl so schnell nicht geben.
- Konverter nutzen nichts, wenn allgemeine Ignoranz, Bequemlichkeit und generelles Von-sich-auf-andere-schließen den Weg des Speichern unter … > OpenDocumentFormat verhindern. Da können die lieben KommilitonInnen noch so öko-bewusst sein, die Übertragung des Bewusstseins auf andere Kontexte scheint sich wohl auf kurze Sicht nicht zu ergeben.
- Die Amy mag aus vielen guten Gründen LaTeX und ist mit Textverarbeitungen nicht mehr fit. (Achja, bevor der Kommentar kommt: Es wurden Formatvorlagen genutzt.) Ich bin zu LaTeX-gewöhnt und Umgewöhnen von semantischer Auszeichnung auf WYSIWYG ist schwer. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
- Ein kluger Mensch hat mal gesagt: Wenn Word dazu gedacht wäre, längere Texte zu verfassen, hieße es Sentence oder Paragraph. Recht hatte er.
- Nicht immer ist die Windows-Umgebung schuld: Heute war während des Arbeitens nur ein Neustart notwendig: OpenOffice startete nicht mehr, weil sich im Hintergrund der Windows DED-Server festgefahren hatte. Aha.
- Die nächste Gruppenausarbeitung frickel ich selbst zusammen und reiche sie auch ein. Ich werde LaTeX nutzen und Kopfweh sparen.
Mir ist schon klar, dass ich mir den meisten Stress mal wieder aus Prinzip selber gemacht habe, das macht die Sache aber nicht besser. So, ich hoffe, das war nun nicht zu viel Selbstmitleid, aber es musste mal raus. Gute Nacht allerseits.
Update vom Morgen danach: Ein finales Schockmoment musste noch her: Die Datei (als pdf und .doc den Kommilitoninnen übermittelt) ließ sich nicht mit Word öffnen. Eine Panikattacke und ein Umspeichern mit der noch einen Tag lauffähigen Office 2007 Trial später ergab eine verarbeitbare .doc-Datei für die Kommilitonin, die alles zusammenfügen und korrigieren darf. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Update, 3 Tage nach der Nachtschicht: Heute die große Überraschung: Das Word-Dokument lässt sich gar nicht mehr öffnen und will beschädigt sein. Gott gib Kraft!
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