Hierzulande versucht die Initiative Bundestux Linux und OpenSource-Software (OSS) in die Ämter zu bringen, während in anderen Ländern und EU-Institutionen FOSS (Free OpenSource-Software) erfreulicherweise schon zur Alternative zu geschlossenen Softwareprodukten geworden ist:

So macht der konservative britische Politiker George Osborne in einer ergreifenden Rede vor der Royal Society of Arts Werbung für den Einsatz von OSS:

Mark is an independent voice with no political agenda, a respected academic, and a practitioner in this dynamic field.

He’ll be helping us develop the detailed procurement strategy that will enable a future Conservative government to harness open source software, just as companies and governments all over the world are already doing.

Empowering individuals.

Improving public services.

Strengthening our political system.

These are the potential benefits to politics and government of harnessing open source politics.

They are part of a new political settlement for our age.

But I’m sensible enough to recognise that Ⅰ don’t have all the answers.

The internet age is transforming politics and has the capacity to transform government.

I’m now looking forward to harnessing the wisdom of this particular crowd, and hearing your thoughts on how you think politics and government needs to change in the internet age.

Let’s start being open source right now.

Osborne sieht in der weiten Verbreitung der freier Informationstechnologien und frei verfügbarer Software – ähnlich wie Eric Schmidt, Gründer von Google, – einen Demokratisierungsprozess, der sich erheblich auf den gleichberechtigten Zugang zu Informationen auswirkt:

The first of these pillars is about equality – equality of information – or what Eric Schmidt, Chief Executive of Google, called „the democratisation of access to information“ when he spoke to our Party Conference.

For centuries access to the world’s information – and the ability to communicate it – was controlled by a few: the powerful, the wealthy and the well educated.

Today by typing just a few key words into a computer, the individual at home not only has access to more information than whole government’s had access to just a generation ago – and, just as importantly, she has the power to search through it more quickly than any government clerk.

This is rapidly eroding traditional power and informational imbalances.

No longer is there an asymmetry of information between the individual and the State, or between the layperson and the expert.

This shift is changing the world.

It is empowering individuals; raising expectations of government services; and increasing accountability for all of us who work in the public sector and in politics.

Natürlich liegen noch immer erhebliche Informationsbarrieren zwischen Reichen, Mächtigen und Bürgern, wie auch die neue sechsteilige Telepolis-Serie „Zensur zwischen öffentlich und privat“ zeigt:

Ist Zensur zu Anfang des 21. Jahrhunderts tatsächlich noch vorwiegend ein öffentlicher Eingriff oder dient sie in staatskorporatistischen Mischformen wie den „Selbstverwaltungsorganen“ nicht eher dazu, Produkten auch im Sinne großer Medienunternehmen den letzten kulturindustriellen Vereinheitlichungsschliff[1] zu verpassen? Und inwieweit nützt Zensur weniger schutzbedürftigen Verbrauchern (wie etwa Kindern) als Wettbewerbsinteressen – insbesondere wenn sie durch ursprünglich für andere Zwecke geschaffen Rechtsinstrumente wie das Urheber‑ das Marken‑ oder das Patentrecht ausgeübt wird?

Aber durch die neuen technologischen Möglichkeiten und frei verfügbaren Mittel, kann doch ein erheblicher Teil der Bevölkerung nun von Informationen profitieren, die vorher nicht jedermann und jederfrau zugänglich waren. (Stichworte Google Earth, Wikipedia, OpenAccess etc.)

So beseelt vom Glauben an die Community ist es eine doppelte Freude, die möglichen Einsparpotentiale der OpenSource-Strategie zu erwähnen: Bis zu – 600 Mio. pro Jahr könnten laut Osborne eingespart werden, wenn man konsequent FOSS-Alternativen in britischen Institutionen einsetzt. Das klingt doch mal erfreulich.

Auch in Südafrika tut sich in Sachen OpenSource so einiges: Nicht nur, dass die Linux-Distribution Ubuntu – welche aus Südafrika kommt – in kurzer Zeit zu einer der beliebtesten Linux-Distributionen aufgestiegen ist. Auch die Regierung von Südafrika ist nun bereit, ganz auf OpenSource-Software umzusteigen:

CAPE TOWN, Feb 22 (Reuters) – South Africa plans to switch all government departments over to open source computer software instead of using Microsoft systems, a cabinet spokesman said on Thursday.

Themba Maseko told reporters the cabinet would use the open source Linux operating system in a bid to lower administration costs and enhance local IT skills.

Hinter der OpenSource-Offensive in Südafrika steht nicht allein der Gedanke an sinkende Lizenzkosten für proprietäre Produkte: Die Regierung verfolgt mit dieser Strategie auch das Ziel, das IT-Wissen und die Fähigkeiten in Bezug auf neue Technologie in der eigene Bevölkerung zu fördern.

Mit der „Go Open Source“-Kampagne hat es erstmalig eine TV-Serie gegeben, die sich der Verbreitung von OpenSource gewidmet hat. So wird ein weiteres traditionelles Medium ins Boot geholt, um nicht nur in Südafrika Werbung für die FOSS-Gemeinschaft zu machen. Die einzelnen Episoden der Serie Go_Open kann man hier herunterladen.

Auch das französische Parlament hat sich für Linux und gegen Windows entschieden. Wie das Ubuntu-Team bestätigt, werden über die 1.000 Computer der Parlamentarier zukünftig (ab Sommer 2007) mit KUbuntu bestückt. Wie Golem und Zdnet berichten:

Das französische Parlament wird im Sommer 2007 damit beginnen, die Arbeitsplätze auf Linux umzustellen. Neben Linux als Betriebssystem soll mit OpenOffice​.org und Firefox noch weitere Open-Source-Software auf den Rechnern zum Einsatz kommen. Ausschlaggebend für den Wechsel war eine Studie.[…]

Ausschlaggebend für den angepeilten Wechsel ist laut ZDNet eine Studie von Atos Origin, nach der Open-Source-Software die Bedürfnisse der Parlamentsmitglieder erfülle. Zudem verspricht die Studie beträchtliche Einsparungen durch den Verzicht auf Windows und weitere proprietäre Software.

[Quelle: Golem​.de]

Hier geht es zur Pressemeldung der Assemblee nationale.

Schön dass FOSS mittlerweile nicht nur in einigen Städten und bei Großkonzernen anzukommen scheint, sondern auch in den Verwaltungen mehr Bedeutung bekommt. Der Abschluss der Tossad-Berichte lässt auf für die EU hoffen.

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