Nach­dem mich die gest­rige St. Pad­dys Day Party vor mei­ner Zim­mer­tür kalt gelas­sen (oder bes­ser: ein­schla­fen las­sen) hat, weckt mich wie­der früh­mor­gend­li­che Betrieb­sam­keit Phnom Penhs.

End­lich ein Handy

Ich bin etwas spä­ter in die Orga­ni­sa­tion, weil ich mir zunächst eine SIM-Karte kau­fen gehen musste. Das ist näm­lich gar nicht so ein­fach hier. In Cape Town gab es die an jeder Ecke kos­ten­los und man konnte bequem via Kre­dit­karte auf­la­den. In Rwanda bevöl­ker­ten SIM-Karten und –Gut­ha­ben­ver­käu­fer die Stra­ßen und Wege – da war es auch kein Pro­blem. Hier benö­tigt man für eine SIM-Card bzw. Han­dy­num­mer, die län­ger als tou­ris­ti­sche 7 Tage gül­tig ist, neben einer Beschei­ni­gung des Arbeit­ge­bers, dass man auch tat­säch­lich unbe­schol­ten län­ger im Lande ver­weilt, den Rei­se­pass, das gül­tige Visum sowie Unter­schrif­ten auf dem SIM-Card-Vertrag und –Beleg. Kom­pli­ziert das Ganze, uns wurde aus infor­mier­ten Krei­sen berich­tet, dass die Sache selbst im kom­mu­nis­ti­schen Viet­nam deut­lich ein­fa­cher läuft, als im para­no­iden Kam­bo­dscha. Wie dem auch sei: Ich habe vor 9 Uhr mit schwarz Tee gerüs­tet erste Khmer­phra­sen ange­wandt, eine SIM-Karte erwor­ben und mit einem mei­ner letz­ten Cash Scheine bezahlt. Ich bin stolz auf mich und kann nun end­lich an der Kom­mu­ni­ka­tion zur Abend­ge­stal­tung und Ver­ab­re­dung teilhaben.

Ana­phy­la­xie zum Frühstück

Das Früh­stück heute mor­gen lief denn etwas anders als erwar­tet: Nach­dem mir die lie­ben Kom­mi­li­to­nin­nen bestä­tigt haben, dass das Müsli hier keine Nüsse ent­hält, hab ich Frucht­müsli mit Yoghurt ohne Mango und Apfel zum Früh­stück bestellt. Ich wollte mal so tun als esse ich gesund. Gro­ßer Feh­ler das: Das Müsli kam mit Bir­nen (bin ich lei­der auch all­er­gisch gegen) – aber das is ja nicht so tra­gisch, kann die geübte All­er­gi­ke­rin sou­ve­rän raus­su­chen. Drei zarte Löf­fel­chen spä­ter zwickte die Lippe, kratzte die Kehle und belegte sich meine Stimme. Panik und Adre­na­lin gesel­len sich dazu, wäh­rend ich den Feind auf mei­nem Löf­fel erbli­cke: Offen­sicht­lich gab es heute mor­gen eine neue Müslip­a­ckung mit ande­rer Sorte und Nüs­sen drin. Ich sehe das Nuss­stück, frage eine Mit­früh­stü­ckende, die dann die Iden­ti­tät des Cor­pus delicti zwei­fels­frei bestä­tigt. Ich eile in mein Zim­mer, nehme zwei Antihistaminika-Tabletten und schreibe den gest­ri­gen Blog­post, wäh­rend ich auf den ana­phy­lak­ti­schen Schock warte. Der pas­siert Gott sei Dank nicht, und so ver­lasse ich kurz vor 9 Uhr das Hos­tel mit lee­rem Magen Rich­tung CSD.

Best Food Ever!

Heute gab es einige posi­tive Ent­wick­lun­gen bei unse­rer Prak­ti­kums­or­ga­ni­sa­tion. Nach­dem wir den gesam­ten Vor­mit­tag mit Grammatik‑ und Wör­ter­bü­chern bewaff­net über Editing-Aufgaben saßen, haben uns die Kol­le­gen zum Mit­tag in ein chi­ne­si­sches Nudel­haus mit­ge­nom­men. Das Restau­rant war mit Ein­hei­mi­schen voll­ge­packt und vor dem Ein­gang kne­tete ein Koch einen gro­ßen Bat­zen Nudel­teig. Wir nah­men Platz und lie­ßen uns vom Bru­der unse­rer Che­fin die Noodle Soup with Mushrooms empfehlen.

Was soll ich sagen? Ich hatte keine Kamera dabei, habe aber wohl mein neues Lieb­lings­re­stau­rant in Phnom Penh gefun­den! Nach­dem mein Früh­stück lei­der nicht für mich genieß­bar war, hatte ich rich­tig Kohl­dampf und bestellte direkt die große Por­tion. Es kam dann tat­säch­lich eine große Nudel­suppe voll nach Amys Geschmack: Kräf­tige Fleisch­brühe, ganz viele fri­sche hand­ge­machte Nudeln, Gemüse ein wenig Cham­pi­gnons. Yum­mie, so good. Best food ever. Und die Amy ward glück­lich und zufrie­den für den Rest des Tages. :)

Gute Aus­sich­ten für die Masterarbeit

So gestärkt beant­wor­tete ich in der Rest­pause noch Mails, packte den Blog­post vom Mor­gen online, schrieb einer der Unis, bei denen ich mich bewor­ben habe (lesen die Leute eigent­lich nie Cover Let­ter?!) und setzte mich nach der Pause wie­der an das Edit­ing. Um 14:30 Uhr hat­ten wir das Gespräch über unser Prak­ti­kum mit der Super­vi­so­rin und ich hatte rich­tig Glück: Vor­mit­tags hatte ich schon mit dem zustän­di­gen Psy­cho­lo­gen – der wäre sehr an mei­nem Plan für die Daten­aus­wer­tung, die ich für meine Mas­ter­ar­beit nut­zen möchte, inter­es­siert. Im Gespräch mit unse­rer Ver­ant­wort­li­chen kam dann auch nach län­ge­rer Kom­mu­ni­ka­tion die Freude über meine Pläne zum Aus­druck. Sie müsse aber erst die Che­fin fra­gen, ob das ok sei. Erste Glücks­ge­fühle ob der Kon­kre­ti­sie­rung mei­nes Mas­ter­ar­beits­vor­ha­bens stel­len sich bei mir ein.

Spä­ter spra­chen wir noch ein­mal dar­über und sie meinte, die Che­fin erlaube meine Aus­wer­tungs­ar­bei­ten. Außer­dem erzählte mir meine direkte Che­fin, sie bräuchte einen zusam­men­fas­sen­den Report über alle bis­her erho­be­nen Daten und ob ich das bis in einem Monat machen könnte. Ich—sehr vorausschauend—sage, dass ich das sehr gerne machen würde, aber es dar­auf ankommt, wie die Daten vor­lie­gen. Das war wirk­lich ein cle­ve­rer Zug von mir, als ich näm­lich etwas tie­fer bohre, ist Fol­gen­des zur Situa­tion her­aus­ge­kom­men: Ja, sie brau­chen den ver­öf­fent­li­chungs­rei­fen Report asap. Es gibt bereits zu allen sechs 2007 abge­hal­te­nen Foren Daten in Form von Fra­ge­bö­gen in Khmer. Es han­delt sich um etwa 100 Fra­ge­bo­gen (+50/-20) pro Forum, also π mal Dau­men 600 Stück. Es gibt zu jedem die­ser Foren auch einen Bericht ABER die Daten in den Berich­ten wur­den per Hand aus­ge­zählt, d.h. es exis­tiert noch keine Com­pu­ter­da­tei mit den Daten.

Am Liebs­ten hätte also die Super­vi­so­rin, wenn ich inner­halb eines (!) Monats aus den Khmer Roh­da­ten in den Papier­bö­gen einen kom­plet­ten eng­li­schen Über­blicks­be­richt schreibe. Da das alles Grass Root Akteure sind, die sehr wenig Erfah­rung mit empi­ri­schen Ana­ly­sen etc. haben, war es heute sehr schwer für mich, zu kom­mu­ni­zie­ren, dass das ein unmög­li­ches Unter­fan­gen ist. JedeR, die/der schon mal Daten­ein­gabe gemacht hat, weiß, wie ner­vig, anstren­gend und vor allem Feh­ler­an­fäl­lig das Ver­fah­ren ist, beson­ders, wenn der Fra­ge­bo­gen für den Ein­ge­ben­den prak­tisch nicht les­bar ist und offene Fra­gen enthält.

Mor­gen habe ich nun ein Mee­ting mit der Assis­ten­tin, die sich u.a. um die Ein­gabe der Daten küm­mert, wenn sie Zeit hat. Ich bin mal gespannt, ob ich das Pro­blem lösen lässt: Ein wun­der­vol­ler Daten­be­stand war­tet dar­auf, von mir explo­riert zu wer­den, nur durch Zau­ber­hand wer­den die Daten wohl nicht in elek­tro­nisch ver­ar­beit­ba­res For­mat kom­men. Ich hoffe, es fin­det sich eine Lösung, die zu all­sei­ti­ger Zufrie­den­heit vor­an­ge­trie­ben wer­den kann. Ich würde ja gern den feh­len­den Report schrei­ben, nur bin ich ers­tens nicht nach Phnom Penh gekom­men, um 6 Wochen in der Daten­ein­gabe zu hän­gen. Zwei­tens ist ja abseh­bar, dass—sollte ich die Daten­ein­gabe allein machen müs­sen—, ich dann wohl kaum dazu komme, einen Report zu schreiben.

Abends im Living Room und beim BBQ

Nach der Arbeit bin ich direkt in den Living Room, um noch ein paar Dinge zu recher­chie­ren aber lei­der ist heute dort das Inter­net aus­ge­fal­len, sodass ich mich um ein paar andere Dinge (u.a. die­sen Blog­post) geküm­mert und zur Feier des Tages noch ein Stück Coco­sku­chen mit Limet­ten­si­rup und Bananal­as­sie zuge­führt habe. Gegen 20:30 Uhr errei­che ich die Geburts­tags­party im Hos­tel, die in Form eines BBQs schon in vol­lem Gange ist, mache Small Talk und Kon­ver­sa­tion, bevor ich ins Bett­chen ent­schwinde. War ein guter Tag heute. :)

Die­ser Bei­trag wurde am 19. März 2008 geschrie­ben und veröffentlicht—zu Guns­ten der Archi­v­chro­no­lo­gie jedoch nachdatiert.

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Wow, das ist echt kom­pli­ziert mit dem Handy (im para­no­iden Kam­bot­scha :S).

Es ist wirk­lich sehr inter­es­sant, deine Berichte zu lesen :)

Ich mache das Prak­ti­kum in Prag.

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