
Ich bin ein friedliebender Mensch. Tatsächlich bin ich pathologisch harmoniebedürftig. Das geht soweit, dass ich—aus falsch verstandener Höflichkeit—zu schüchtern bin, mir aus Gastfreundschaft aufgetischtes Essen abzulehnen, auch wenn absehbar ist, dass dieses kurzfristig bis zu mittelschwere allergische Reaktionen auslösen wird. Ich will nicht negativ auffallen und ich will niemandem unnötige Umstände bereiten. Das ist eine Zurückhaltung, die kein Vegetarier, den ich kenne, an den Tag legt.
Ich bin eine passionierte Tierfreundin. Ob die Kakerlake am Mittagstisch in Kambodscha, die Kühe auf der Straße oder die hässlichsten Ladenhüter bei Herrchen gesucht …“—die Amy kann sich zwar nicht zu vegetarischem Leben durchringen, liebt aber (fast) alle Geschöpfe auf Mutter Naturs Erde wie ihr monatliches Steak. Mit Sven zusammen habe ich sogar ein—zugegeben unglaublich hübsches und kluges—Hundi aus dem Tierheim adoptiert. Seither promote ich das Wesen von Tierheimhunden und second hand Hausgefährten für jedeN die/der es hören will und insbesondere jene, die es nicht hören wollen. Die Schicksale bei Tiere suchen ein Zuhause“ rühren mich regelmäßig zu Tränen und meine Aufgebrachtheit über Tierquäler kennt keine Grenzen, wenn mir erstmal ein halb verhungertes, halb kahles Hundchen mit Überbiss von der Mattscheibe entgegen blinzelt.
Das vorausgeschickt, hoffe ich auf Nachsicht für folgendes Geständnis: Wenn unter meinem ohnehin schon lärmbelasteten Hostelzimmer(fenster) zwischen 5 Uhr und 5:30 Uhr morgens, eine Stunde, bevor mein Wecker die knappe Nachtruhe beendet, zwei Hunde beginnen, ihren Kommunikationsbedürfnissen, das Stadtviertel beschallend, nachzukommen, und das 30 ruhige Minuten, bevor Phnom Penh erwacht, die Vögel zwitschern und Eiermann, Mülleinsammler und Straßenverkehr die charakteristische Melange der unüberhörbaren Geräuschkulisse dieser Stadt eingehen – dann, ja dann phantasiere ich ein Sniper zu sein. Einmal aufgewacht, imaginiere ich mich—wutentbrannt und todernst—mit Luftgewehr, Schrotflinte und Zielfernrohr, den Hund mit der kräftigsten Stimme im Fadenkreuz, den Zeigefinger am Abzug.
Ich hoffe, das macht mich nicht zu einem schlechten Menschen. Ich würde sowas ja auch nie in die Realität umsetzen. Aber wenn morgens, eine Stunde bevor der Wecker klingelt …
So, mal wieder negative Energien positiv kanalisiert und produktiv eingesetzt. So muss das sein.
1. Amys Welt » Blog Archive » Kambodscha Blues
07/04/2008 01:05 pm[…] alle Ärgernisse, die mit der Störung meines Schönheitsschlafes zu tun haben. Ausnahmen gibt es natürlich. Trotzdem: Die Wände im Hostel sind dünn und in ⅘ aller Fälle werde ich durch […]
2. Caromonsters
08/04/2008 06:21 pmWir sind schockiert! Zuerst hatten wir noch Mitleid mit dir, weil du nicht genug zu essen bekommst und dachten noch darüber nach, ein Care-Paket per Luftpost zu schicken. Aber nein, so nicht, liebe Amy. Wer nicht genug Toleranz für die natürlichen Lautäußerungen von canis familiaris aufbringen kann, verdient keine Kekse! Bitte meditiere über dein schändliches Gedankengut und tue Buße!
Nachrichten von der Heimatfront: Ronnie ist offiziell beglaubigter Familien-Begleithund (mit Auszeichnung) und ich versuche verzweifelt deinem Gatten eine Nachricht zukommen zu lassen: Bis zum Wochenende läuft die Aktion Anika, forever 18 (sie wird alt nächste Woche). Wenn er etwas sehr schrottiges und pubertäres – bevorzugt mit Bömmeln – findet, soll er das bei Björn abladen.
Halt den Magen steif! Beste grüße aus dem weihnachtlichen Germany, Caromonster
3. Anna-Maria
09/04/2008 03:09 amJa ich fühle mich ob der bösen Gedanken auch ganz schlecht. Vielen Dank für die CARE-Paket Überlegungen!
—bitte um Gottes Willen nix schicken, das kommt eh nicht an.
Herzlichen Glückwunsch zu Hundis Bildungserfolg! Ich sag dem Männchen Bescheid, wenn ich ihn zu fassen bekomme.
LG aus der Hitze
4. Sven
09/04/2008 08:25 pmIch könnte rosabommel an ein Tokiohotel T-Shirt tackern!