auch Politiker sind nicht 2.0-affin: Golem—Die Politik scheut das Web 2.0
Die Studie ist auch der Hypothese nachgegangen, dass sich die Jugendorganisationen der Parteien allein aufgrund des Alters ihrer Mitglieder kompetenter im Web 2.0 bewegen. Die Hypothese wurde widerlegt. Jungliberale, Jusos, Grüne Jugend, Junge Union und Linksjugend sind zwar im Einzelfall auf sozialen Plattformen präsent, eine klare Strategie lässt sich dahinter aber nicht erkennen. „Wer sich dem Internet verweigert, wird dort auch keinen einzigen Wähler gewinnen“, warnt Newthinking Communications.
Es kann nicht jeder einen Webzirkus wie Obama inszenieren.
Nachtrag, 3. Juni 2008: Die taz hat natürlich auch eine Meinung: Alles schläft – nur einer bloggt und Jetzt.de hat ein Interview zur/über die Studie mit Markus Beckedahl (Blogger von Netzpolitik.org):
Woran liegt“s?
Einerseits daran, dass die Parteien sehr experimentierunfreudig sind. Andererseits wird kaum Geld in den Online-Wahlkampf gesteckt. In den Parteizentralen wird noch in Großraumplakaten, Offline-Veranstaltungen und Flyern gedacht. Aber das Hauptargument ist wohl, dass die Politiker noch nicht im Netz sind.
[…]
Was macht Obama besser?
Er hat eine sehr ausgefeilte Internet-Strategie. Er nutzt die Netzwerk-Zentriertheit des Internets für seine Kampagne, um die Menschen einzubinden, um mit ihnen in einen Dialog zu treten. In Deutschland ist Politik eine Verlängerung der Top-Down-Kommunikation, wie wir sie aus den Massenmedien kennen.
Das musst du erklären.
Man schaltet einen Werbespot und die Menschen sollen ihn sich ansehen. Das soziale Netz ist Grundlage für Diskurs und Dialog, dass wird überhaupt nicht genutzt.
Vielleicht ist das—im Allgemeinen—die Ursache für das schwindende Demokrativertrauen in Deutschland. Demokratie heißt immer auch Dialog. Ich will jetzt nicht mit normativen Idealvorstellungen a la Habermas kommen, aber wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sich ihre Repräsentanten dem Dialog und den Themen verweigern, die gerade die Menschen bewegen, dann ist das nicht eben ein Imagepush für die Demokratie. Heribert Prantl schreibt dazu ganz treffend: Armes Deutschland
Viele Millionen Menschen aber müssen am Rand dieser Gesellschaft leben: Sie müssen dort irgendwie auskommen, mehr schlecht als recht. Von ihnen handelt der Armutsbericht der Bundesregierung. Diese Millionen Menschen verhungern nicht, sie sitzen auch nicht bettelnd in der Fußgängerzone; sie sind aber trotzdem arm, weil sie ausgeschlossen sind aus einer Gesellschaft, die sich nur den Bessergestellten entfaltet.
[…]
Der Armuts‑ und Reichtumsbericht ist ein Bericht zur Lage der Demokratie – weil eine Demokratie, in der immer mehr Menschen am gesellschaftlichen Rand leben, nicht gut funktionieren kann. Und dieser Armutsbericht ist eine Herausforderung für den Sozialstaat: Eine gute Sozialpolitik erschöpft sich nicht in der Fürsorge für die Armen, sondern zielt auf den Abbau der strukturellen Ursachen für deren Armut. Sozialpolitik? Es geht dabei um eine Politik, die dafür sorgt, dass jeder Mensch Bürger sein kann.
Wenn plötzlich alle von Tiefstständen bei den Arbeitslosenzahlen schreiben, von mehr Jobs und wirtschaftlichem Aufschwung, aber immer mehr Menschen von Armut betroffen sind, dann stärkt das nicht unbedingt das Vertrauen in demokratisch gewählte Repräsentaten. Die BürgerInnen wissen nämlich, dass es jetzt nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlicher ist, mit zwei von den neu geschaffenen Jobs in prekären Verhältnissen arm zu sein.
Nachtrag, 7. Juli 2008: Noch ein passender Beitrag in der Washington Post: For Candidates, Web Is Power And Poison [via Netzpolitik.org]
1. Amys Welt » Blog Archive » Blogger blicken auf Barack Obama
25/07/2008 01:56 pm[…] sieht in Obama Kontrastprogramm zu Präsident Bush—ich sehe ihn eher als Kontrastprogramm zur hiesigen Politik. Johannes Leithäuser macht sich Gedanken zur Prioritätensetzung von Obama in Europa: […]
2. Qualitätsjournalismus, Europa & die Chancen des Netzes — Amys Welt
11/06/2009 03:16 pm[…] Meine Reden. […]