In der deutschen Blogosphäre werden gerade – am Beispiel der Browserveröffentlichung von Google, die derzeit alle Schlag‑ und Titelzeilen im IT-Bereich bestimmt—handwerkliche & ethische Standards diskutiert.

Einen wundervollen Überblick dazu bietet das UPLOAD Magazin: Verantwortung übernehmen

Können Blogger sich darauf verlassen, dass falsche oder irreführende Informationen durch ihre Leser aufgedeckt und korrigiert werden oder inwiefern müssen sie sich selbst dafür verantwortlich fühlen, dass sie korrekt informieren? Diese Diskussion läuft gerade zwischen den Top-Bloggern Robert Basic auf der einen Seite und Johnny Haeusler und Max Winde (Spreeblick) auf der anderen Seite. Ich selbst habe für UPLOAD den Pressekodex als Maßstab proklamiert. Was hinter all diesen Meinungen und Begriffen steckt, möchte ich einmal kurz erklären.

Das Argument des BSI, laut Berliner Zeitung: Google habe eine solche Marktmacht, dass die Beta-Version von Chrome unbedacht einer naiven Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Die nicht immer versierten NutzerInnen seien sich nicht in jedem Fall der Einschränkungen bewusst, unter denen eine Beta-Version eingesetzt werden sollte.

Jetzt muss ich mal sagen, dass niemand behauptet hat, dass die Version uneingeschränkt zu empfehlen oder einzusetzen sei. Der „Sprung auf Platz drei“ unter den Browsern ist wahrscheinlich auf die große Öffentlichkeit zurückzuführen, die Google erreicht und die demzufolge das neue Browserspielzeug ausprobieren will.

Außerdem: Wie Golem treffend aufzeigt, müsste dann auch vor ganz anderen Monopolisten gewarnt werden: Berliner Zeitung: Bundesamt für Sicherheit warnt vor Chrome

Konsequenterweise müsste das BSI in diesem Zusammenhang auch vor der aktuellen Beta-Version des Internet Explorer 8 warnen. Diese ist ebenfalls unfertig, Microsoft hat ebenfalls eine große Marktmacht und Microsofts Software überträgt Daten nach Redmond.

Ich würde sogar noch einen drauf setzen: Windows, Office, Internet Explorer & Co. aus dem Hause Microsoft sind – dieser Argumentation zu folge—nicht empfehlenswert, weil geschätzte 95 % der weltweiten Computernutzer sie nutzen und Redmond mit Daten füttern. Und erst all die Institutionen, Organisationen und Unternehmen, deren gesamte Existenz im Exchange Server und den ihm anvertrauten Daten verankert sind – Wenn da mal ein Universalschlüssel Redmond verlässt –

In diesem Zusammenhang muss man auch vor einem dauerhaften Wohnsitz in Deutschland warnen, denn die Vorratsdatenspeicherung erfasst uns alle.

PS: Menschenverstand und der informed consent (siehe Berichterstattung, EULA, Nutzungslizenzen etc.), der einer wohlbegründeten Entscheidung zur Nutzung einer Software entspricht, machen den Einsatz von Beta-Software meines Erachtens ethisch unbedenklich. Denn: Mit einem Teil der Infos, die wir an Mozilla, Microsoft, Google & Co. schicken, wird tatsächlich die Software verbessert. Wer hätte es gedacht.

Nachtrag: Schon lange keine Tränen mehr gelacht, aber die Readers Edition richtet es. Holger Finns Bericht Bundesamt warnt vor Google – Eine Satire bietet neben ausgewogener Faktendarstellung auch eine fundierte Einschätzung der Bedrohungslage. Gerd Altmann zeichnet verantwortlich für den wertvollen Bildbeitrag. Der Text erschien zuerst im Blog Politplatschquatsch.

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