Vorgestern habe ich mit meiner Mama zusammen die Verfilmung des Da Vinci Codes angesehen.
Mir wurde vielfach versichert, der Film sei nicht halb so detailliert in seiner theoretischen Fundierung wie das Buch, und überhaupt sehr gekürzt. Letzteres ist bei der Adaption einer knapp 500seitigen Romanvorlage die Regel—ein durchschnittliches 3-Akter-Hollywood-Drehbuch ist um die 100 Seiten lang—, Ersteres geht praktisch nicht über die höchst spekulativen und unkreativen Verschwörungstheorien rund um die „Jesus-Saga/Legende“ 1 hinaus.
Seit ich den Film das erste mal gesehen habe, bin ich im Zweifel darüber, ob ich nicht doch mal das Buch hinzuziehen sollte. Man kann ja die Adaption schlecht ohne die Vorlage ver‑/beurteilen. Aber die liebe Zeit fehlte bisher und nach den allgemeinen Einschätzungen wollte ich kein Geld für den vermeintlichen Geniestreich im Ausloten historischer Eventualitäten ausgeben. Von diesen Zweifeln bin ich nun endlich, auf höchst amüsante Art und Weise, kuriert worden:
Geoffrey K. Pullum hat vor über vier Jahren seinen Erstkontakt mit dem Bestseller festgehalten und erspart mir nun unnötige Leiden, Geldausgaben und/oder den Gang in die Stadtbibliothek: Language Log: The Dan Brown code
Brown’s writing is not just bad; it is staggeringly, clumsily, thoughtlessly, almost ingeniously bad. In some passages scarcely a word or phrase seems to have been carefully selected or compared with alternatives. Ⅰ slogged through 454 pages of this syntactic swill, and it never gets much better. Why did Ⅰ keep reading? Because London Heathrow is a long way from San Francisco International, and airline magazines are thin, and two-month-old Hollywood drivel on a small screen hanging two seats in front of my row did not appeal, that’s why. And why did Ⅰ keep the book instead of dropping it into a Heathrow trash bin? Because it seemed to me to be such a fund of lessons in how not to write.
Ⅰ don’t think I’d want to say these things about a first-time novelist, it would seem a cruel blow to a budding career. But Dan Brown is all over the best-seller lists now. In paperback and hardback, and in many languages, he is a phenomenon. He is up there with the Stephen Kings and the John Grishams and nothing Ⅰ say can conceivably harm him. He is a huge, blockbuster, worldwide success who can go anywhere he wants and need never work again. And he writes like the kind of freshman student who makes you want to give up the whole idea of teaching. Never mind the ridiculous plot and the stupid anagrams and puzzle clues as the book proceeds, this is a terrible, terrible example of the thriller-writer’s craft.
[…]
Thriller writers must have a code of honor that requires that they all praise each other’s new novels, a kind of omerta that enjoins them to silence about the fact that some fellow member of the guild has given evidence of total stylistic cluelessness. A fraternal code of silence. We could call it… the Da Vinci code; or the Dan Brown code.
Nicht dass nun der Eindruck entsteht, ich richte meine Lektüre nach den subjektiven Aversionen von Sprachwissenschaftlern aus: Der Herr Pullum nennt überzeugendste Beispiele, entnommen der ersten Seite des Massenschmökers. (Es fehlt eigentlich noch der Klassiker: „Die Augen wanderten …“, dazu wird aber nix erwähnt.)
Wenn ich etwas bei veröffentlichten, hinlänglich beweihräucherten und in einem Anfall kollektiver Verklärung irrational zum Genie erklärten Autoren nicht leiden kann, dann ist das schlechter Stil. Fehler, im Übrigen, die man ohne Mühe hätte beim ersten Lektorat entlarven und ausräumen können. Traurig das.
Gut, wieder ein Someday maybe-Punkt weniger auf der ToDo-Liste.
Der Film hatte natürlich trotzdem seine Momente: Insbesondere wenn stärker auf Hans Zimmers musikalischen Beitrag zur dramaturgischen Gestaltung fokussiert wurde, erfreute der Film mein Gemüt. (Herr Pullum zeigte sich auch in hohem Maße erfreut und berichtet über seine Vorfreude und Kritik zur Stoffwahl einer Verfilmung des Da Vinci Codes nicht weniger enthusiastisch, als er sich zur Romanvorlage äußert: Thank God for film: Dan Brown without the writing.)
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- Für ernsthaft Interessierte bietet sich die iTunesU-Reihe zum Historical Jesus von Thomas Sheehan der Stanford University an. ↩
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01/01/2009 11:08 pm[…] Welt Nichts von Wert ist jemals einfach. « Language Log: The Dan Brown code Frohes neues Jahr! […]
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10/06/2009 01:23 am[…] Ich bin ja so gerührt – Oscar Wildes Roman vor dem neuesten (?) Dan Brown Reißer. […]