Es ist doch immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sich die deutschen Medien ein Eigentor quasi bewusst selbst schießen.

Es geht um den Artikel B wie Blogs des SZ Magazins vom 8. Mai, dass sich der Zukunft und dem Untergang der deutschen Medien in der Krise widmet. Offenbar wollte sich die journalistische Zunft hier selbst ein Denkmal setzen. Wie und warum das etwas daneben gegangen zu sein scheint, dazu an kompetenterer Stelle mehr, z.B. im Journalismus-Blog der FH Darmstadt: Wie man journalistisch mit der Frage „Wozu Zeitung?“ umgeht: Fünf Tipps anhand des SZ-Magazins vom 8. Mai

Zunächst muss ich sagen, dass die online Präsentation der Inhalte doch recht gelungen ok ist: Beim Wikipedia-Erfolg hat man sich die A-Z-Darstellung wohl abgeschaut und entsprechend mit Einzelbeiträgen zum Thema Journalismus & Wozu Zeitungen? ausgestattet.

Auch die Integration der Netzaktivitäten & der online Diskussionen zum Thema finde ich eigentlich ganz gelungen. Besonders hinreißend sind für die Amy natürlich die Illustrationen von Christoph Niemann – aber was schreibe ich hier über eyecandy, um harte Inhalte geht es der Ausgabe…

Die sich dann prompt ins eigenen Fleisch schneidet. Wie? Mit der unüberlegten und unkritischen Übernahme einer unpräzisen Übersetzung einer wenig einfallsreichen Stellungnahme eines Bloggers von Thomson Reuters, der die Lage der deutschen Wirtschaftsblogosphäre von seiner gemütlichen Situation der US-Finanz‑ & Wirtschaftsblogosphäre aus aufs Korn nimmt und etliche kulturelle Stereotypen bemüht, um zu erklären, warum es wenige echte deutsche Wirtschaftsblogger gibt: B wie Blog – Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren. Aha.

Den Beitrag haben dankenswerter Weise inhaltlich schon ganz andere auseinander genommen (z.B. godwi von den Tonwertkorrekturen), daher hier nur meine paar Gedanken, bevor das Thema schon wieder zu alt ist, um gebloggt zu werden:

  • Mein erster Gedanke, als ich das gelesen habe, war: Aha. In wenigen Stunden bricht die namenhafte und weniger namenhafte deutsche Blogosphäre los. Bewahre Ruhe und genieße selbige vor dem Sturm. Und so kam es auch.
  • Meine zweite Idee: Alles ein bisschen sehr pauschal, generalisiert und unkritisch, das. Mal gucken was es damit auf sich hat.
  • AHA. Es ist eine ganz lausige und aus dem Kontext gerissene Übersetzung zu spezifischen 10 reasons for the lack of German econobloggers – das macht seine Argumente nicht besser, erklärt aber einige argumentative Bezugspunkte des Herrn Salmon.
  • Daher also die Generalisierung und pauschale Aburteilung der gesamten deutschen Blogosphäre: Jemand hat nicht richtig übersetzt.
  • Fakten fehlen auch ein paar: Stefan Niggemeier – Schöner sterben mit dem „SZ Magazin“

Sieht hier bitte jedeR die traurige Ironie des Schicksals gnadenlos sich ihren Weg bahnen und zuschlagen?

Schade – dachte die wollten für Qualitätsjournalismus werben, beim SZ Magazin.

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