Hier mal mein Tipp zum Wochen­ende, was den deutsch­spra­chi­gen Blogs dem­nächst Dekon­struk­ti­ons­fut­ter lie­fern wird1 – so es denn nicht unter­geht bei den neuen Erkennt­nis­sen zum Fall Benno Ohnes­org–: DIE ZEIT – Das Netz als Feind [der Intel­lek­tu­el­len, A.] von Adam Soboczynski

N.B.: Es steht nicht Satire oder Glosse oder Pole­mik o.ä. drü­ber. Auch scheint der Autor sich nicht gegen die online Ver­öf­fent­li­chung gewehrt zu haben.

Ich könnte jetzt schon mal los­le­gen mit bösen Gegen­ant­wor­ten, hab aber gerade keine Zeit. Warum wer­den sol­che Leute immer wie­der ohne Gegen­stimme publi­ziert? Schock, Dis­kus­si­ons­po­ten­zial, Pro­vo­ka­tion. Selbst­mit­leid der Medi­en­bran­che?! Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit­syn­drom bei den tra­di­tio­nel­len Medien, denen Twit­ter, Google und das neu­este YouTube-Viral den Rang ablau­fen? Fern­dia­gno­sen sind schwierig.

Man könnte jetzt pro­phy­lak­tisch schon mal auf die 90–10–1-Regel ver­wei­sen oder auf Erfolgs­ge­schich­ten, die erst das geis­tes­feind­li­che Web 2.0 mög­lich gemacht hat, z.B. den Lan­gua­ge­Log, oder auf andere so hilf­rei­che Inno­va­tio­nen, die einen in Kon­takt brin­gen mit diver­ses­ten Infor­ma­ti­ons­in­hal­ten aus Wis­sen­schaft, For­schung und Nischen­da­sein. Egal, möchte Herr Soboczyn­ski nicht hören/lesen/wissen – ist ja das böse Informationszeitalter.

Ach wie gut waren die alten Zei­ten, in denen die Feuille­tons noch die poli­ti­sche und öffent­li­che Agenda zu set­zen ver­moch­ten…2

PS-Nachtrag: Das Ganze, gereicht es tat­säch­lich zum pro­phe­zei­ten Blo­go­sphä­ren­auf­re­ger, würde dann den Hype um Ida unter den intel­lek­tu­el­len Blogs ablö­sen und die Auf­re­gung über falsch über­setzte Dia­gno­sen aus Über­see in der ple­bis­zi­tä­ren Pro­le­ta­ri­ats­blo­go­sphäre in eine andere Rich­tung lenken.

Nach­trag, 24.05.2009: Es ent­ste­hen wun­der­bare Dis­kus­sio­nen aller Orten. Rivva & twin­gly pro­to­kol­lie­ren – hier eine unvoll­stän­dige Übersicht:

  • Netzwertig-Blogger Mar­cel Weiss hat seine Gegen­stimme zum ZEIT-Artikel gefun­den und tritt in einen beherz­ten Dia­log mit Soboczyns­kis Text: Außer­dem bringt er Prä­gnan­tes wie die­ses: Inter­net, Bil­dungs­feind­lich­keit und Intellektuellenhass
  • „Das Inter­net macht Men­schen nicht düm­mer, es macht Dumm­heit nur sicht­ba­rer. Gleich­zei­tig macht es natür­lich auch Krea­ti­vi­tät und Intel­li­genz und Fach­wis­sen sicht­ba­rer, weil es die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bar­rie­ren ein­ge­ris­sen hat.

    […]

    Texte wie die­ser ZEIT-Artikel sind es, die Print und den Jour­na­lis­mus als sol­chen dis­kre­di­tie­ren und mehr beschä­di­gen, als es das Inter­net selbst je könnte. Soboczyn­ski ist selbst Ama­teur bezüg­lich des Sujets sei­nes Tex­tes. Er hat, das muss man so deut­lich sagen, nicht die blas­seste Ahnung von dem Inter­net und des­sen Mechanismen.“

    Danke.

  • In den Kom­men­ta­ren des o.g. CARTA-Beitrags wird auch kräf­tigst diskutiert.
  • Falk Lüke (wie konnte ich ihn nur als eine der ers­ten Blog­stim­men zum Thema über­se­hen?!) schreibt über den „dis­kon­nek­tier­ten “Intel­lek­tu­el­len”„:
  • Das Ver­schwin­den die­ses Typus von Intel­lek­tu­el­len, den Adam Soboczyn­ski für sein Dasein sicher­lich rekla­miert, in die “Inter­netrand­zo­nen­ge­biete”, wie er schreibt, ist kein Ver­lust für die demo­kra­ti­sche Qua­li­tät. […] Das Inter­net ver­än­dert weni­ger, als es sicht­bar macht. […] So bleibt jedoch nur eines zu ver­mer­ken: Medium heißt manch­mal ein­fach nur halb­gar. Zum Trost bleibt zu erwar­ten, dass Soboczyn­ski viel­leicht dem Inter­net eine Weile erspart blei­ben wird. Ich möchte ihn ganz öffent­lich darum bit­ten, dass er Ver­la­gen die Online­pu­bli­ka­tion sei­ner Texte (und damit auf einen ent­spre­chen­den, klei­nen Anteil sei­nes Hono­rars ver­zich­tend) untersagt.“

  • Ver­ständ­nis schlägt Herrn Soboczyn­ski aus dem (eng­lisch­spra­chi­gen) Just Recently-Blog zu. Es sieht das Klas­sen­ver­hält­nis und Mark­mächte am Wir­ken gegen die intel­lek­tu­elle Kul­tur (beson­ders in den Medien): JR’s Satur­day Review: Is the Inter­net the Enemy of the Intellectual?
  • In gene­ral, I’d say that Soboczyn­ski is fight­ing the good fight of intel­li­gence. Ⅰ can only agree with what he wri­tes about pirate bay, blogs, and forums. The way many blog­gers take pho­tos from other sour­ces and adorn their opi­nia­ted re-hashes of news ori­gi­na­ting from other­wise dis­dai­ned main­stream sour­ces is a nui­sance (sorry to pos­si­bly offend some people on my blog roll whose posts Ⅰ do respect in general).“

  • Bin intel­lek­tu­ell, arbeite für Essen und Unter­kunft fast zusam­men, ziti­tert Madame Modeste und ergänzt durch die beste­chende Logik:
  • Dass die ZEIT den Text über­haupt abge­druckt hat, kann ich mir nur damit erklä­ren, dass er auf­grund sei­ner ihm inne­woh­nen­den Pro­vo­kanz für reich­lich Debatten-Zündstoff sorgt […]

    Sehe ich ähnlich.

  • Melan­cho­lie Modeste sin­niert über die all­ge­meine Dumm­heit (in der Welt und im Inter­net): Jour­nal :: 23.05.
  • und in der ZEIT erbost sich Adam Soboczyn­ski über die ver­derb­li­chen Aus­wir­kun­gen der Dumm­heit der­je­ni­gen, die sich im Inter­net äußern, als sei die Dumm­heit mit dem Netz ent­stan­den, und nicht vom Anbe­ginn der Welt an dage­we­sen und arti­ku­liere sich jetzt nur halt etwas lau­ter. […] Dumm­heit im Netz, über­lege ich mir und wähle sorg­fäl­tig zwi­schen unter­schied­li­chen Nagel­lack­far­ben, ist am Ende ähnlich leicht zu umge­hen, wie Dumm­heit an irgend­wel­chen ande­ren Orten. Man muss da ja nicht hin.“

  • Chris­tian Henner-Fehr nimmt Herrn Soboczyn­ski wört­lich & bezieht Kom­men­tare zum ZEIT-Artikel ein: Der Schmäh des “Intellektuellen”
  • Neh­men wir mal an, Soboczyn­ski ist ein Intel­lek­tu­el­ler und wird im Inter­net ver­folgt. Wie sieht diese Form der Ver­fol­gung aus?“

  • Tho­mas Knüwer von Indis­kre­tion Ehren­sa­che kann es nicht so rich­tig fas­sen – aber wie dort und ande­ren Orts fest­ge­stellt, fiel auch dem Chef­re­dak­teur (der ZEIT) Wolf­gang Blau das Fas­sen nicht so leicht. In den Kom­men­ta­ren wurde bereits die Idee los­ge­tre­ten, es könnte sich bei dem Arti­kel um „um ein drei­fach gefal­te­tes Stück­chen Iro­nie han­deln “ (Doc Mon­tres). Ein span­nen­der Gedanke – obwohl, als das DIE ZEIT im letz­ten Jahr mit dem „Trau­ri­gen Stre­ber“ ver­sucht hat, war direkt erkenn­bar, dass in der nächs­ten Aus­gabe die Gegen­rede kom­men würde. – Bür­ger­jour­na­lis­mus bei der „Zeit“
  • Nein, sol­che Expe­ri­mente sollte die „Zeit“ unter­las­sen. Sie sollte auf Qua­li­täts­jour­na­lis­mus set­zen. Men­schen schrei­ben las­sen, die sich mit The­men aus­ken­nen oder bereit sind, sich einzuarbeiten.“

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  1. SPON & Co. rea­gier­ten bereits:

  2. FYI: Guardian-Chefredakteur Rus­brid­ger weiß es bes­ser: taz – “Das alte Sys­tem ist kaputt“. Wie anti-intellektuell von ihm.

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