Liebe Freunde der Literatur,
ich hätte es beinahe verschlafen, aber…
Endlich ist es soweit, das Unendliche Leseprojekt ist unter die deutschsprachige Bevölkerung gebracht: Das Opus magnum des jüngst verstorbenen DFW ist auf Deutsch erschienen. Heute hat das größte Übersetzungsprojekt aus dem Hause Kiepenhäuer & Witsch Premiere und wie ich schon mal berichtete, ist der Übersetzer Ulrich Blumenbach nur für sein Werk zu… bewundern, ehren und in hochachtungsvoller Erinnerung zu behalten! Wie ich erfahre, hat er seine Erlebnisse mit dem Projekt niedergeschrieben – da freue ich mich schon auf die Lektüre.
Alles, was man über den Unendlichen Spaß online ganz schnell wissen will und nachlesen kann, hat dankenswerter Weise etwas pünktlicher, als ich in die Startlöcher kam, Ralf Wasselowski, Blogger meines Lieblingszellbestandteils, zusammengefasst: Roman “Infinite Jest”: Rezension in der FAZ von heute. Uebeltaetigkeit hat noch mehr Links zusammengestellt: Unendlicher Spaß oder: „ein Bursche von unendlichem Witz“ (“a fellow of infinite jest“). Meine Favoriten sind allerdings ein Interview mit DFW aus dem Jahre 1993, welches The Holing Fantods aufgetan haben, sowie A Baker’s Dozen of My Feelings about David Foster Wallace’s Infinite Jest:
Reading IJ is like forging a spiritual connection with a man who expresses my feelings better than Ⅰ do. As someone who writes, I’ve often felt that language is so poor an instrument for communication or expression. Ⅰ find it unyieldingly difficult to write an honest sentence. DFW exhibits otherwise. George Saunders, in his remarks at David Foster Wallace’s memorial service, called Wallace “a wake-up artist.” Yes. DFW’s words, beyond creating solid smart sentences and solid smart stories, reach this part of you that you thought no one could reach, saying everything you’ve been wanting to say and hear, everything you’ve been thinking on your own but haven’t been able to share with anyone else. While the whole world lies to you (the media, the politicians, the [insert your own contaminated culprits here]), Wallace tells you the truth. It’s as if he comes out of his book and shakes you until you’re dizzy, yelling at you all the time, “I GET IT. Ⅰ GET YOU. YOU ARE NOT ALONE HERE.
Wenn ich das nächste mal nicht am Auswandern bin, werde ich auch das DFW Werk ganz lesen. Bis dahin, können das ja andere mit anderen gemeinsam – bspw. beim Infinite Summer-Projekt. Das ist so ähnlich wie Anonyme Alkoholiker nur für solche, die es mit dem Unendlichen Spaß aus‑ und durchhalten wollen. Auf Deutsch gibt es das (Verlags‑) Blog zum Buch: Unendlicher Spaß. Außerdem gibt es noch zahlreiche andere Lesehilfen, bspw. das Infinite Jest-Wiki und eine Infinite Jest-Tour durch Boston bebildert dargestellt auf flickr: Infinite Jest Tour of Boston.
Und einen spannenden Review von Dave Eggers im LA Weekly hab ich euch auch noch ausgegraben, nur, um das unendliche Leseprojekt unter die Menschen zu bringen:
But Wallace is a different sort of madman, one in full control of his tools, one who instead of teetering on the edge of this precipace or that, under the influence of drugs or alcohol, seems to be heading ever-inward, into the depths of memory and the relentless conjuring of a certain time and place in a way that evokes — it seems so wrong to type this name but then again, so right! — Marcel Proust. There is the same sort of obsessiveness, the same incredible precision and focus, and the same sense that the writer wanted (and arguably succeeds at) nailing the consciousness of an age.
Vielleicht ja genau die richtige Urlaubslektüre, für all jene, denen der Jahresurlaub noch bevor steht.
PS: Erwähnte ich bereits, dass mein neuestes Lieblingswort aus der Begleitlektüre des Romans stammt? Apricity, Freunde, apricity.
1. Ralf Wasselowski
25/08/2009 10:39 amHast Du das Original z.T. gelesen?
2. Amy
25/08/2009 03:19 pmNein, leider nicht. Ich habe letztes Jahr recht viel darüber und rund herum gelesen, aber dann kamen die Masterarbeit, der Umzug & die ganze Auswanderungskatastrophe dazwischen. Je nachdem wie sich das Studium hier entwickelt, wäre das mein nächstes größeres Leseprojekt – höchst wahrscheinlich im Original und später die Übersetzung. Da bin ich dann doch Literaturwissenschaftlerin.
3. Ralf Wasselowski
25/08/2009 08:11 pmLese gerade die Übersetzung. Der Einstieg hat mich schon mal überzeugt. Aber das Buch ist noch lang. Der Übersetzer hat 6 Jahre gebraucht. Wie lange wirst Du brauchen? Viel Glück.
4. Amy
25/08/2009 09:30 pmIch bin ja eher in dieser Hinsicht Genussleserin, sitze da lese Sätze, die gefallen gern auch 10 mal, schlage Worte, die begeistern, nach, schreibe auf… von daher will ich mich nicht zu Voraussagen hinreißen lassen.
Viel Spaß noch mit der Lektüre. So wie ich den Herrn Blumenbach bisher aus seinen Wortmeldungen zu dem Auftrag einschätze, hat er auch die Übersetzung zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht.
5. Ralf Wasselowski
26/08/2009 08:15 amIch kann die Qualität der Übersetzung leider nicht beurteilen.
Wallace hat eine sehr eigene Metaphorik und äußerst detaillierte Darstellungsweise. Es ist witzig und unterhaltsam geschrieben aber auch höllisch präzise. Diesen Hyperrealismus exakt zu übertragen, ist sicher sehr schwer. Es kommen darüber hinaus seltene Begrifflihkeiten vor, teils Worte, die ich noch nicht mal kannte. Aber das hat man ja schon im Vorfeld gehört…
Es kommt übrigens noch hinzu, dass er in einzelnen Passagen wörtlicher Rede – wenn Leute durcheinanderreden – ein bißchen collageartig arbeitet, d.h., Anfang und Ende dieser Sätze ineinander verschränkt wegläßt. Ich denke, dass all dies bezüglich des Schwierigkeitsgrades der Übersetzung, kaum zu toppen ist (höchstens durch „Finnegans Wehg“ oder so).