Ok, wir wohnen ja bekanntlich recht abenteuerlich für die Zweierbeziehung und das Kleinrudel der Ökonomie wegen gerade zur Untermiete, als Lodger bei einem britischen Fast-Ehepaar. Sie Anfang 30 und lebensfroh, Er Anfang 20 und trotz Feuerwehrmannjob recht infantil, manchmal.
In den letzten Wochen sind also die zwei Senior-Hunde – unsere Rudelfavoriten – ausgezogen, weil es Rudelzank gab. Also sind jetzt nur die aus meiner Sicht weniger attraktiven ungehorsamen und dafür umso impulsiveren Chaos-Tierchen hier im Haushalt. Es wurde trotzdem rudelintern etwas ruhiger.
Keine drei Tage nachdem die zwei Hündchen das Haus verlassen hatten, da brachte der Verlobte einen neuen Spielgefährten ins Haus. Ein Hamster sollte das sowieso schon hyperaktive Chaos-Rudel aus nur Terriern1 noch interessanter, spannender, abenteuerlicher machen. Der Hamster ward adoptiert.
Wie sich herausstellte, trägt er den Namen Bully nicht zu Unrecht: Der Hamster hat in einem Käfig mit mehreren anderen Hamstern seine Artgenossen verprügelt. Das war wohl auch der Adoptionsgrund. Sie, also unsere Vermieterin, war die ersten Tage auch noch ganz froher Dinge. Denn man hatte sich informiert: Hamster sind wohl solitäre Kreaturen und wollen wohl am liebsten allein sein, in ihrem Käfig. Das Argument: Natürlich hat er die anderen Hamster verprügelt, er wollte allein sein. Gut dass er jetzt allein wohnt und sein Hamsterrad nicht länger teilen muss. Schlecht für den Verlobten, der dem Hamster wohl nicht sehr sympathisch ist. Bisher gab es etwa 4 Beißattacken. Einmal hat der Mauswühler nur knapp überlebt, einmal wurde er quer durch Zimmer katapultiert, als der Zeigefinger nicht rechtzeitig den Beißerchen entzogen werden konnte. Persistent little fellow…
Nach mehreren Abenden der versuchten Annäherung gab Er auf. Doofer Hamster, langweiliges Haustier. Mittlerweile hatte sich aber Tilly, die Parsons Jack Russel Terrier-Dame, sehr mit dem Hamster angefreundet. Sie sitzt, beobachtet, wartet stundenlang auf das Erwachen des Hamsters, dass er aus seinem Nest krabbeln würde und Männchen macht, sodass sie ihn sehen kann. Als ob der Hamster nur von ihrer liebreizenden Art zu Spiel und Freundschaft überzeugt werden müsse.
Während also der Hamster schon Fans im heimischen Rudel versammelt, ist die Stimmung an der Alphatierfront merklich getrübt: Seine anfänglich sympathischen Gefühle weichten der Einsicht, dass ein Hamster nur ein Hamster ist. Sie hatte letzte Woche einen Tag frei und das Bedürfnis, die Möbel im Wohnzimmer komplett umzustellen. Der Hamster steht nun nicht mehr unter dem Kopfende des Bettes der beiden im Schlafzimmer eine Etage über dem Wohnzimmer. Die Kommode auf der der Hamsterkäfig steht, ist nun unter dem Fußende des Bettes angesiedelt – also eine Etage unter dem Fußende des Bettes. Trotz der kontra-intuitven Umstellsituation hört Sie jetzt den Hamster JEDE Nacht in seinem Hamsterrad. O-Ton: „I hate this hamster with a passion!“
Ich kann das voll und ganz nachempfinden. Ich höre zwar den Hamster nicht nachts, allerdings hab ich bei ansonsten recht schwerfälligen Hörapparaten eine ähnliche Empfindlichkeit für tickende Uhren. Sven hatte mal eine Armbanduhr, die in einer Frequenz getickt hat, die mich in den Wahnsinnig treiben sollte. Ich konnte nicht schlafen, egal wie müde ich zu Bett ging, ich hörte nur noch TICK TICK TICK… Insomnia, Wahnsinn. Und alle, denen du die Situation schilderst, gucken dich an als seist du ein bisschen ver-rückt, weil du im Erwachsenenalter noch immer nicht im Stande bist, so Geringfügigkeiten auszublenden. Wie kindisch. Prinzessin auf der Erbse.
Nein, das ist es ganz sicher nicht, alles was man hören und denken kann in solchen Situationen, nachts, wenn der Partner oder Hund neben einem schon genüsslich schnarcht, ist ein allgegenwärtiges, schallendes TICK TICK TICK…
Sie bekam also keinen Schlaf und hat in mehreren aufeinanderfolgenden Nächten wütend das Hamsterrad aus dem Käfig montiert. Nicht gut fürs Klima, Freunde, gar nicht gut.
Jedenfalls hing das Thema „Hamster loswerden“ alsbald in der Luft. Gut für mich. Seit der Hamster nämlich eingezogen ist, futter ich wieder Allergietabletten und muss die Stube meiden. Denn: Ich bin allergisch gegen die Mininager und mögen tu ich sie auch nicht – Nagetiere und die Amy werden wohl auf absehbare Zeit keine Freunde werden. Jedenfalls hab ich, um die Sache zu sugar coaten und supportive zu sein, eine Freundin gefragt. Sie hatte ihr fast ganzes Leben lang Hamster und sucht sowieso ein Haustier. Sie würde Bully sehr gern in Pflege nehmen. Ich habe das Angebot überbracht und hoffe nun auf eine baldige Versetzung des Hamsters in etwas empathischere Gefilde.
Unnötig zu erwähnen, dass Er vor wenigen Tagen fast, also nur beinahe, mit einem Hamster-Upgrade heim gekommen wäre. Einen Hasen gäbe es noch zu adoptieren – größer, kuscheliger, freundlicher. Mehr wie ein Hund, weniger Hamster.
- gezüchtet, um Nager und derlei Kleinvieh zu fangen ↩
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