…Adieu, Adios, Arri­ve­derci, Goodbye, До свидания, שלום…

2009 war… ein schwe­res Jahr. Viel­leicht das Schwerste bis­her. Sicher das Schwerste seit dem diese Sei­ten existieren. 2009 war ein vol­les Jahr – voll mit Span­nungs­ele­men­ten, würde man sagen, ginge es um einen Film­plot. Mehr als ein­mal leg­ten uns Freunde nahe ein Buch zu schrei­ben, im nun ver­gan­ge­nen Jahr.

Desas­ter, Kata­stro­phen, Todes­fälle, Ärger­nisse, fal­sche Zei­chen … das Dar­win Jahr erhöhte den Selek­ti­ons­druck. Das Para­dox ist, dass wir voll im Rah­men der Plan­er­fül­lung lie­gen, den Span­nungs­ele­men­ten zum Trotz. Also begin­nen wir mal mit dem Jah­res­rück­blick, jetzt wo uns das alte Jahr nichts mehr anha­ben kann. ;)

Das Jahr gewann Ende des ers­ten Quar­tals an Tempo: Nach­dem Schock­starre und Fas­sungs­lo­sig­keit herrsch­ten, waren die Inhalte des lie­be­voll gefüll­ten Blogs nach einem Angriff auf die Daten­bank im März doch nicht ganz verloren.

Eine Woche und unzäh­lige Support-Emails spä­ter sollte der nächste Lebens­ab­schnitt ange­gan­gen wer­den: Eine Woche lang sah ich mir in einem Kurz­kurs eine Uni und einen Mas­ter­stu­di­en­gang in Eng­land an, die ich poten­ti­ell ab Herbst 2009 besu­chen wollte. Der Auf­ent­halt war son­nig und begeis­ternd. Fazit: Dort ließe es sich eine Weile aus­hal­ten und der Mas­ter schien auch zu tau­gen. Zurück daheim war ich Die­ne­rin zu vie­ler Her­ren: Der England-Umzug wollte finan­ziert wer­den, wes­halb ich mich in Auf­trags­ar­bei­ten überstürzte…

Zu Ostern ging dann das erst im Novem­ber 2008 über­nom­mene erste Vehi­kel kaputt, wel­ches die Umzugs­pläne zuneh­mend in Frage stellte. Der Plan war mit dem Wagen umzu­zie­hen – für zwei Men­schen und einen Hund die freund­lichste Über­sie­de­lungs­mög­lich­keit auf die bri­ti­sche Insel. Des Wagens Küh­ler explo­dierte zu Ostern auf der Auto­bahn Rich­tung Hei­mat­ur­laub und mit ihm wur­den Umzugs­pläne ver­schrot­tet. Zum ers­ten April hin habe ich dann meine Mas­ter­ar­beit in Mar­burg im Fach Friedens‑ und Kon­flikt­for­schung ange­mel­det und diese neben zu vie­len Jobs und Umzugs­or­ga­ni­sa­tion auch irgend­wie fer­tig gestellt – am ers­ten Juli.

Seit April twit­tere ich auch: Der aus Pro­kras­ti­na­ti­ons­nö­ten und Namens­si­che­rungs­an­sprü­chen erwach­sene Account ist mitt­ler­weile das fast ein­zige elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, wel­ches ich eini­ger­ma­ßen auf dem Lau­fen­den halte. Im Mai ward dann die Lola ange­schafft: Der Rechts­len­ker ist Ersatz für das explo­dierte Oster­auto und sollte uns nicht nur nach Eng­land brin­gen, son­dern den Umzug im gro­ßen und gan­zen erleich­tern. Ursprüng­lich ein Schnäpp­chen hat­ten wir anschlie­ßend – nach fal­schen und zum Kauf ani­mie­ren­den Vorab­in­for­ma­tio­nen des örtli­chen Citroen-Händlers und ent­spre­chen­der Zulas­sungs­stel­len – viel ‚Freude‘ mit dem Mar­bur­ger TÜV und der Auto­zu­las­sung, die gefühlte viele Monate gedau­ert hat. Als dann end­lich der Wagen zuge­las­sen ward, … naja das kommt später.

Im Mai jeden­falls war Lola dann nach lan­gem hin und her Über­le­gen und dem aus­führ­lichs­ten Dis­ku­tie­ren ALLER mög­li­chen Umzugs­wege unter schmer­zen­der Geld­börse ange­schafft. Nach­dem der Umzugs­fuhr­park bereit­ge­stellt war, gin­gen auch die ers­ten Umzugs­kis­ten an den Start. Inner­halb der nächs­ten Monate fuh­ren wir und Svens Fami­lie geschätzte 10 mal zwi­schen den Hei­mat­or­ten hin und her, um Haus­rat und Bücher zu ver­tei­len und unterzustellen.

Im Juni ging neben dem Europawahl-Wahlkampf auch die Mas­ter­ar­beit in ihre heiße Phase über:  Ich schrieb meh­rere Tage am Stück sogar im Juris­ti­schen Semi­nar Mar­burgs und bemühte die nicht mehr vor­han­de­nen Musen mit einer ent­spre­chend arbeits­för­der­li­chen Umge­bung zu beste­chen… Das Lei­den war denn am 1. Juli vor­bei, ab dem Tag stürz­ten wir dann in letzte Umzugs­an­ge­le­gen­hei­ten, den 85ten Geburts­tag mei­ner Omi als gro­ßes Fami­li­en­fest, und es ward erns­ter mit der Aus­reise.

Am 6. August kam dann mein Mas­ter­ar­beits­be­treuer aus dem Urlaub um mit mir meine  letzte MA-Prüfung abzu­hal­ten. Da ich seit Mona­ten in, aus und um Umzugs­kar­tons lebte, war Prü­fungs­vor­be­rei­tung ehr­lich gesagt meine letzte Sorge. Wie dem auch sei – es stellte sich her­aus dass es einen Mas­ter aus­zeich­net, seine Arbeit aus­wen­dig gelernt zu haben. Hatte ich nicht, ent­spre­chend auch das Ergeb­nis. Ich dachte es ginge um das Ver­ständ­nis der Sache – zum aus­wen­dig Ler­nen hat meine Zeit nicht mehr gereicht – ich hatte es geschafft etwa ⅔ der Arbeit vor der Prü­fung noch mal zu lesen. Pech, dass es die für den Prü­fer unin­ter­es­san­ten Drit­tel waren…

In der Woche begab es sich dann auch, dass der unsere seit Mona­ten gesi­cher­ten Nach­mie­ter mit schlech­ten Nach­rich­ten vor der Tür stand: Es war nicht eige­nes Ver­schul­den son­dern deren Ver­mie­ter, der einen Rück­zie­her und damit den Aus­zug der Nach­mie­ter aus Woh­nung unnö­tig machte. Die bei­den saßen mehr oder min­der auch schon auf gepack­ten Kis­ten – und haben uns anschlie­ßend trotz­dem noch über die Maßen hin­aus Aus­ge­hol­fen mit all den „Klei­nig­kei­ten“, die bei so einem Umzug noch in letz­ter Minute anfallen.

Am Mon­tag, 10. August 2009, mach­ten wir uns in der zum Plat­zen voll gepack­ten Lola, dem Osterei auf Rädern, auf den Weg Rich­tung Eng­land. Nach­barn und Freunde hat­ten am Wochen­ende zuvor noch bei­spiel­los mit zuge­packt, sodass nach etli­chen Post­pa­ke­ten mit Rest­haus­rat in die Hei­mat nur noch wir, etwa mit 8 Stun­den Ver­spä­tung auf den Weg gebracht wurden.

Die Reise ging bis in den Wes­ter­wald. Dort ent­schied sich das Auto auf einer Anhöhe zu ver­wei­len und aus dem Rück­wärts­gang nicht mehr herauszufinden…

Nach den Oster­er­eig­nis­sen hatte ich uns eine ADAC-Plus-Mitgliedschaft gegönnt, die anschlie­ßend ihre Wun­der wirkte

Nach lan­gem Hin & Her kamen wir zunächst bei Svens Eltern unter, das Auto ging in deren Stamm­werk­statt. Wir brauch­ten nur unsi­chere 10 Tage und einen erneut schmerz­haf­ten Griff in die Aus­wan­de­rungs­kasse zu über­ste­hen bis die Lola wie­der rannte. In der Zwi­schen­zeit fan­den wir bei Freun­den so groß­zü­gig und bequem Asyl, wie wir hätte nicht Urlaub machen kön­nen. Aber ange­sichts neuer Ent­wick­lun­gen war das Auto zu dem Zeit­punkt schon gar nicht mehr unsere erste Prio­ri­tät. Die Span­nung riss nicht ab und nach­dem wir 1.5 gemüt­li­che Tage in unse­rem Asyl von den Freun­den beküm­mert wur­den… erhiel­ten wir neue Kunde aus England.

Es hatte uns ganz gut Ner­ven gekos­tet, eine bezahl­bare Unter­kunft im König­reich zu fin­den, die einen Hund und ein Pär­chen zur Miete erlaubt. Wir hat­ten diese Unter­kunft gesi­chert und natür­lich auch über unse­rer Aben­teuer und die ver­zö­gerte Ankunft auf­grund der Auto­panne infor­miert. Nach­dem wir also eine gemüt­li­che Nacht im Eitor­fer Asyl ver­bracht hat­ten, wachte wir zu Son­nen­schein, Vogel­ge­zwit­scher und Hun­de­ge­bell auf, nur um eine Nach­richt der zukünf­ti­gen Ver­mie­te­rin zu fin­den: Es tue ihr schreck­lich leid, aber ihre Umstände hät­ten sich geän­dert, sie könne uns den Raum nicht mehr vermieten.

HAMMER. SCHOCK. Wir kamen in das Stau­nen gar nicht mehr rein.

Es begann eine fanatisch-panische Suche nach einer neuen, hun­de­kom­pa­ti­blen Unter­kunft im Groß­raum Swin­don. Wie schon frü­her im Jahr schrieb ich diverse Emergency-Mails an meine zukünf­tige Alma mater, die wie schon zuvor keine Ant­wort erfuhren.

Wir teil­ten uns die ver­schie­de­nen Web­sei­ten der Flat‑ & Housesha­ring Com­mu­nities und Sven sicherte so eine super Unter­kunft inner­halb weni­ger Tage. Klei­ner Spoi­ler für die nächs­ten Monate: *Wir zogen dann auch tat­säch­lich in die­ser Unter­kunft ein.*

Neben­bei fehlte mir zu mei­ner Ein­schrei­bung auch noch ein Eng­lisch­sprach­test, den ich auf­grund der vie­len Enga­ge­ments noch nicht hatte able­gen kön­nen. Zum TOEFL-Termin hatte ich mich in Swin­don gemel­det; genau die beschrie­be­nen 2 Wochen vor der Ein­schrei­bung, die es laut TOEFL-Informationen braucht, die Test­er­geb­nisse zu bekom­men. Um diese Sto­ry­line ver­früht abzu­schlie­ßen: Ich ging dann 1.5 Tage nach­dem wir die Insel erreicht hat­ten, mit einem hal­ben Tag Vor­be­rei­tung in den Test. Zwei Wochen spä­ter ver­mu­tete ich schon, dass die Ein­schrei­bung nicht mög­lich sein wird, denn eine Woche nach dem Test erhielt ich die Email der Uni, dass alle inter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den sich 1.5 Wochen eher wäh­rend der inter­na­tio­nal induc­tion ein­schrei­ben müs­sen. Aha. Natür­lich tauchte ich ohne das Sprach­zer­ti­fi­kat auf, natür­lich wollte es auch nie­mand sehen. Mich hat seit­her auch kei­ner nach dem TOEFL Ergeb­nis gefragt – denn 8 Wochen nach­dem ich den Test abge­legt hatte, waren die Ergeb­nisse dann im Briefkasten. 105 von 120 mög­li­chen Punk­ten – so ca. 90 hätte ich benö­tigt. Gut.

OK, wo waren wir? Rich­tig, nach einer Woche in der Werk­statt kam Lola repa­riert und mun­ter raus. Am 19. August packte Sven den Wagen zum hun­derts­ten male in die­sem Jahr und gegen 21 Uhr mach­ten wir uns müde und nicht mehr an eine Über­sie­de­lung glau­bend auf den Weg nach Eng­land. Nach­dem wir auf­grund von nicht kor­rekt aus­ge­füll­ten Tier­arzt­pa­pie­ren aus Mar­burg am Euro­Tun­nel abge­wie­sen wur­den und zum örtli­chen Tier­arzt pil­gern muss­ten, um den Hund dann doch noch mit­füh­ren zu kön­nen, hat­ten wir bis Swin­don keine wei­te­ren Vor­komm­nisse zu ver­mel­den. Wir kamen am 20. August, mit nur 10 Tagen Ver­spä­tung, am Bestim­mungs­ziel an. Am zwei­ten Tag erst ent­deckte ich die spür­bar schma­le­ren Park­lü­cken und die Her­aus­for­de­run­gen des Rechts­ver­kehrs, die aber nicht lange beein­dru­cken dürf­ten, denn einen Tag spä­ter war der Eng­lisch­test.

Es schlos­sen sich die ers­ten vier Monate unse­res Eng­land Aben­teu­ers an: Nach acht Wochen fand Sven einen noch tem­po­rä­ren Job bei den Erneu­er­ba­ren Ener­gien von RWE. Wir leben zunächst mit den frisch Ver­lob­ten Leah & Mike und ihren fünf Hünd­chen zusam­men; mitt­ler­weile sind zwei der Hunde aus­ge­zo­gen, zwei Hams­ter ein­ge­zo­gen und ein Hams­ter ver­stor­ben. Leah & Mike wol­len immer noch im März hei­ra­ten. Wir haben die Weih­nachts­fei­er­tage hier ver­bracht, bri­ti­sches Fest­es­sen mit­er­lebt und der ganz nor­male, aber doch ganz andere Uni­wahn­sinn hat wie­der Füh­rung in mei­nem Leben über­ge­nom­men – aber das ist ein ande­rer Bericht.

Wir haben uns ganz gut hier ein­ge­lebt und wer­den aus der Hei­mat mit groß­zü­gi­gen Care-Paketen und deut­schem Wort­gut ver­sorgt. :) Mitt­ler­weile ist der bri­ti­sche Ver­kehr kein Todes­par­cours und Swin­don keine fremde Stadt mehr uns. Wir spre­chen bestän­dig Deng­lisch und Sven hat mit dem tra­di­tio­nel­len Kar­ne­val­s­ur­laub auch schon den ers­ten Hei­mat­be­such für Februar geplant.

Finan­zi­ell war es ein recht aben­teu­er­li­ches Jahr: Das im April bean­tragte Aus­lands­BAföG wurde erstaun­lich zeit­nah Ende Novem­ber, nach mei­nem Stu­di­en­be­ginn hier abge­lehnt, nach­dem ich im Sep­tem­ber schon mal zart tele­fo­nisch ange­fragt habe, wie der Bear­bei­tungs­stand aus­sieht. Ein sehr auf­schluss­rei­ches Tele­fon­ge­spräch ergab, dass ich zu faul zum Arbei­ten sei und daher einen zwei­ten Mas­ter­stu­di­en­gang mache. Selbst­ver­ständ­lich werde die­ser nicht gefördert. Nach den ers­ten Wochen im neuen Stu­dium war klar, dass ich nicht wei­ter für RESET – For a bet­ter world im gewohn­ten Umfang aktiv sein kann, weil auch dazu die Zeit fehlt.

Gar­niert mit drei Todes­fäl­len und zahl­rei­chen nicht ver­öf­fent­li­chungs­rei­fen Deba­keln war dies wohl ein Jahr der Prü­fun­gen, die die Shit happens-Kategorie im erstaun­li­chen Maße wach­sen lie­ßen. Anfang Novem­ber glaube ich, erreichte mich dann auch mein Mas­ter­zeug­nis bzw. die Urkunde aus Mar­burg, ein Doku­ment, das in den letz­ten Wochen doch immer wie­der die Frage auf­kom­men lässt, warum nun ein zwei­ter Abschluss unbe­dingt nottut.

Hier im Blog gab es in die­sem Jahr vor allem die The­men Zukunft des Jour­na­lis­mus und der Medien,  sowie Infor­ma­ti­ons­frei­heit im Inter­net (Zen­sur­sula), die Europa‑ und Bun­des­tags­wah­len, die Finanz­krise und Prä­si­dent Obama The­men. Geb­loggt habe ich nicht so oft wie ich wollte, aller­dings ist es wohl bes­ser ein Leben zu haben, aus dem geb­loggt wer­den kann, als ein Blog zum (allei­ni­gen pro­duk­ti­ven) Lebens­in­halt ver­kom­men zu las­sen. :D Von daher bin ich dank­bar, dass es eigent­lich viel zu blog­gen gäbe, das Leben aber immer wie­der „dazwi­schen“ kommt.

Um mit einer posi­ti­ven Note zu enden: Eigent­lich geht es uns gut. Wir haben so viel erreicht & erlebt in die­sem Jahr – was es uns brin­gen wird, das kön­nen wir nur gespannt erwar­ten. Bis­her bin ich nur einem unhöf­li­chen Eng­län­der begeg­net. Der Weg hier­hin war gezeich­net von Freun­den in der Not und im Aben­teuer, von erstaun­lich vie­len Son­nen­ta­gen in Wiltshire, voll von Leben, das berich­tens­wert wäre für das ein oder andere Buch.

In der Not wurde Sven erfin­de­risch und so haben wir Ideen gesam­melt, mit denen man u.U. ein eige­nes Busi­ness auf­bauen könnte: Sven sieht drin­gen­den Bedarf euro­päi­schen Stu­den­ten­pär­chen mit Hun­den eine eigene Woh­nungs­ver­mitt­lungs­agen­tur zur Ver­fü­gung zustel­len. Ich finde das eine sehr gute Idee – hoffe aber natür­lich ins­ge­heim dass sein RWE-Engagement dau­er­haf­te­rer Natur ist und  die Begeis­te­rung für so ein Pro­jekt nicht dem Pra­xis­test unter­zieht. :)

In die­sem Sinne gehen wir ins neue Jahr, mit der Gewiss­heit neue Aben­teuer zu erleben.

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